Arthroskopische Kalkherdentfernung
Minimalinvasive Entfernung eines Kalkdepots aus der Rotatorenmanschette bei therapieresistenter Kalkschulter
Ziel der arthroskopischen Kalkherdentfernung ist es, ein Kalkdepot mittels Gelenkspiegelung möglichst vollständig aus der betroffenen Sehne der Rotatorenmanschette, meist der Supraspinatussehne, zu entfernen. Die Operation ist bei der Kalkschulter bewusst die Ausnahme: Die meisten Kalkdepots bilden sich im natürlichen Verlauf oder mit konservativer und interventioneller Behandlung von selbst zurück. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf hängt vom Befund und davon ab, ob die Sehne zusätzlich genäht werden muss.
Operationsdauer
Meist etwa 20–45 Minuten, bei zusätzlich notwendiger Sehnennaht entsprechend länger.
Narkose
In der Regel Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine periphere Nervenblockade der Schulter zur Schmerzkontrolle danach.
Krankenhausaufenthalt
Häufig ambulant oder mit einer Übernachtung möglich.
Mobilisation
Vorsichtige Bewegung der Schulter meist bereits am Operationstag oder Folgetag, sofern keine Sehnennaht erforderlich war.
Armschlinge
Ohne zusätzliche Sehnennaht meist nur für wenige Tage bis etwa 1–2 Wochen zum Tragekomfort; mit Sehnennaht deutlich länger.
Physiotherapie
In der Regel früher Beginn zur Wiedererlangung der Beweglichkeit, meist bereits in der ersten bis zweiten Woche.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 1–3 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 6–8 Wochen (körperlich fordernde oder Überkopftätigkeit).
Sport & Überkopfbelastung
Leichte Aktivitäten oft nach einigen Wochen; Überkopf- und Kontaktsport erst nach individueller ärztlicher Freigabe.
Wann wird diese Operation durchgeführt?
Eine arthroskopische Kalkherdentfernung kommt nur bei einem kleinen Teil der Patienten mit Kalkschulter infrage, nämlich dann, wenn trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer und interventioneller Behandlung über einen ausreichenden Zeitraum weiterhin relevante, den Alltag einschränkende Beschwerden bestehen.
Vorausgesetzt wird in der Regel, dass sowohl eine medikamentöse Schmerztherapie und Physiotherapie als auch die Stoßwellentherapie und ein Needling beziehungsweise eine Lavage des Kalkdepots bereits versucht wurden, ohne zu einer ausreichenden Besserung zu führen. Die Operation ist bewusst die Ausnahme, da sich die meisten Kalkdepots im natürlichen Verlauf oder durch diese nicht-operativen Maßnahmen zurückbilden. Ausführliche Informationen zur Erkrankung, den Verlaufsphasen und den konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Kalkschulter-Seite. Die Entscheidung für eine Operation wird stets individuell und erst nach Ausschöpfung der nicht-operativen Möglichkeiten getroffen.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Die Operation erfolgt in der Regel in Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine periphere Nervenblockade der Schulter, die auch in den ersten Stunden nach dem Eingriff für eine gute Schmerzkontrolle sorgt. Gelagert wird meist in einer halbsitzenden Position oder in Seitenlage.
Zugang
Über mehrere kleine Hautschnitte von jeweils wenigen Millimetern Länge (Portale) wird eine Kamera (Arthroskop) in das Schultergelenk beziehungsweise den Raum unter dem Schulterdach eingeführt. Über weitere kleine Zugänge werden die notwendigen Instrumente eingebracht.
Der eigentliche Eingriff
Unter direkter Sicht auf dem Videomonitor wird zunächst die betroffene Sehne der Rotatorenmanschette dargestellt. Das Kalkdepot lässt sich häufig bereits an einer veränderten Oberfläche der Sehne erkennen, gegebenenfalls wird seine Lage zusätzlich mit einer feinen Nadel markiert. Die Sehne wird an dieser Stelle vorsichtig eröffnet, und das Kalkmaterial wird mit feinen Instrumenten möglichst vollständig ausgeräumt und abgesaugt. Anschließend beurteilt der Operateur, wie groß der in der Sehne verbliebene Substanzdefekt ist.
Abschluss
Bleibt nach der Kalkentfernung nur ein kleiner Defekt in der Sehne zurück, wird dieser in der Regel nicht zusätzlich genäht, da er von selbst folgenlos verheilt. Bei einem größeren Substanzdefekt näht der Operateur die Sehne im gleichen Eingriff mit kleinen Fadenankern wieder an ihrem Ansatz am Knochen. Die kleinen Hautschnitte werden mit wenigen Nähten verschlossen, anschließend werden ein Verband und eine Armschlinge angelegt.
Wird die Sehne bei der Operation immer genäht?
Nein. Ob zusätzlich genäht werden muss, entscheidet sich meist erst während der Operation, anhand der Größe des verbliebenen Substanzdefekts.
Alleinige Kalkherdentfernung
Der Regelfall: Nach der Ausräumung des Kalkdepots verbleibt nur ein kleiner Defekt in der Sehne, der von selbst folgenlos ausheilt. Die Nachbehandlung ist entsprechend kürzer, die Schulter wird frühzeitig wieder bewegt.
Kalkherdentfernung mit Sehnennaht
Wird nach der Kalkentfernung ein größerer Substanzdefekt der Sehne festgestellt, näht der Operateur die Sehne im gleichen Eingriff. Die Nachbehandlung orientiert sich in diesem Fall an den Grundsätzen einer Rotatorenmanschettennaht und dauert entsprechend länger.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Musste die Sehne nicht zusätzlich genäht werden, wird die Schulter meist bereits am Operationstag oder Folgetag vorsichtig bewegt.
Ein Wundschmerz ist normal und lässt sich gut mit Schmerzmitteln kontrollieren; Kühlen der Schulter hilft in den ersten Tagen, die Schwellung gering zu halten. Die Armschlinge dient vor allem dem Tragekomfort und wird ohne Sehnennaht meist nur für kurze Zeit benötigt. Physiotherapie zur Wiederherstellung der Beweglichkeit beginnt in der Regel bereits früh. Der stationäre Aufenthalt beschränkt sich häufig auf eine Übernachtung oder erfolgt ambulant.
Wurde die Sehne zusätzlich genäht, wird der Arm zunächst länger in der Schlinge ruhiggestellt und die Physiotherapie beginnt zurückhaltender, analog zur Nachbehandlung nach einer Rotatorenmanschettennaht. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen.
Wie geht es zu Hause weiter?
Der Verlauf unterscheidet sich deutlich, je nachdem, ob die Sehne zusätzlich genäht werden musste.
- Erste Tage
Schmerzkontrolle und Kühlen
Ohne Sehnennaht wird die Schulter im schmerzfreien Bereich vorsichtig bewegt. Wurde genäht, bleibt der Arm zunächst in der Schlinge ruhiggestellt, nur passive Bewegungsübungen sind erlaubt.
- Nach etwa 1–2 Wochen
Wundkontrolle und Beginn der Physiotherapie
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Ohne Sehnennaht beginnt meist bereits jetzt eine aktive Physiotherapie; mit Sehnennaht bleibt es zunächst bei vorsichtiger, angeleiteter Bewegung.
- Nach 4–6 Wochen
Zunehmende Beweglichkeit
Ohne Sehnennaht ist die Schulter meist weitgehend frei beweglich und viele Alltagsaktivitäten sind wieder möglich. Mit Sehnennaht befinden Sie sich noch in der Schonphase mit vorsichtig gesteigerten Übungen.
- Langfristig
Kräftigung und volle Belastbarkeit
Ohne Sehnennaht ist die volle Belastbarkeit meist nach etwa 2–3 Monaten erreicht. Mit Sehnennaht dauert die Kräftigungsphase entsprechend länger, die volle Belastbarkeit wird meist erst nach 4–6 Monaten erreicht, wie nach jeder Rotatorenmanschettennaht.
Wann kann ich wieder …?
Orientierungswerte für den Regelfall ohne zusätzliche Sehnennaht. Musste die Sehne genäht werden, verlängern sich diese Zeiträume deutlich.
Auto fahren
Sobald Sie die Schulter schmerzfrei genug bewegen können, um sicher zu lenken und zu schalten.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, den Arm regelmäßig zu entlasten.
Körperlich fordernde Tätigkeit
Insbesondere bei Überkopfarbeiten oder dem Heben schwerer Lasten.
Alltag über Kopf (z. B. Haare kämmen)
Zunehmend schmerzfrei, sobald die Beweglichkeit zurückkehrt.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und ausreichender Beweglichkeit.
Radfahren
Zunächst auf ebenem Untergrund, ohne stärkere Stützbelastung der Arme.
Krafttraining Oberkörper
Schrittweiser, angeleiteter Aufbau nach abgeschlossener Physiotherapie.
Kontakt- und Wurfsport
Erst nach voller Beweglichkeit und Kraft sowie individueller ärztlicher Freigabe.
Reisen
Bei längeren Reisen mit viel Gepäck besser etwas länger warten.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei passender Indikation lässt sich mit der arthroskopischen Kalkherdentfernung bei den meisten Patienten eine deutliche Schmerzlinderung erreichen.
Da die Operation erst nach Ausschöpfung aller konservativen und interventionellen Möglichkeiten empfohlen wird, profitieren in der Regel Patienten mit einem entsprechend ausgeprägten und therapieresistenten Befund. Die Beweglichkeit der Schulter bessert sich meist parallel zur Schmerzlinderung, sobald die Nachbehandlung fortschreitet. Manche Patienten berichten über eine vorübergehende Reizung im OP-Gebiet in den ersten Wochen nach dem Eingriff.
Das Ergebnis wird unter anderem von der Größe und Konsistenz des ursprünglichen Kalkdepots, dem Ausmaß des während der Operation festgestellten Sehnendefekts und der konsequenten Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem Eingriff insgesamt gering.
Spezifische Risiken dieser Operation
In den ersten Wochen nach dem Eingriff kann eine vorübergehende Reizung der Sehne und des umliegenden Gewebes mit Bewegungseinschränkung der Schulter auftreten, die sich im Verlauf der Physiotherapie meist zurückbildet. Wird während der Operation ein größerer Substanzdefekt der Sehne festgestellt, kann in Einzelfällen eine zusätzliche Sehnennaht notwendig werden, die nicht von vornherein geplant war. Sehr selten kommt es bei arthroskopischen Eingriffen an der Schulter zu einer Reizung oder Verletzung benachbarter Nerven oder Gefäße.
Langfristige Risiken
Ein erneutes Auftreten eines Kalkdepots an derselben Stelle ist eher selten, gelegentlich kann sich jedoch an anderer Stelle der Rotatorenmanschette erneut ein Depot bilden. Wurde die Sehne zusätzlich genäht, besteht wie nach jeder Rotatorenmanschettennaht ein gewisses Restrisiko einer erneuten Rissbildung.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust im Arm oder in der Hand
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung des Arms (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Häufig gestellte Fragen zur arthroskopischen Kalkherdentfernung
Ist die Operation die einzige Möglichkeit bei einer akuten, sehr schmerzhaften Kalkschulter?
Nein. Die sehr schmerzhafte akute Resorptionsphase wird in aller Regel medikamentös und interventionell behandelt, etwa mit einer Kortisoninfiltration oder einem Needling. Eine Operation ist erst dann sinnvoll, wenn diese Maßnahmen bei anhaltenden Beschwerden über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend geholfen haben.
Wie lange dauert die Operation?
Die alleinige arthroskopische Kalkherdentfernung dauert meist etwa 20–45 Minuten. Muss die Sehne zusätzlich genäht werden, verlängert sich die Operationsdauer entsprechend.
Muss ich nach der Operation eine Armschlinge tragen?
Ohne zusätzliche Sehnennaht meist nur für wenige Tage bis etwa ein bis zwei Wochen zum Tragekomfort. Wurde die Sehne genäht, wird der Arm deutlich länger ruhiggestellt, analog zur Nachbehandlung nach einer Rotatorenmanschettennaht.
Kann der Kalk nach der Operation wiederkommen?
Ein erneutes Auftreten an derselben Stelle nach vollständiger Entfernung ist eher selten. Gelegentlich kann sich im Verlauf an anderer Stelle der Rotatorenmanschette ein neues Kalkdepot bilden.
Bin ich nach der Operation komplett schmerzfrei?
Bei passender Indikation bessern sich die Beschwerden bei den meisten Patienten deutlich. Eine vorübergehende Reizung im OP-Gebiet in den ersten Wochen ist normal, vollständige Beschwerdefreiheit lässt sich jedoch nicht garantieren.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit und davon ab, ob die Sehne zusätzlich genäht werden musste. Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach ein bis drei Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder oder Überkopftätigkeit kann es sechs bis acht Wochen oder, nach einer Sehnennaht, deutlich länger dauern.
Kann ich ambulant operiert werden?
Bei unauffälligem Allgemeinzustand und ohne größere Sehnennaht ist eine ambulante Durchführung häufig möglich. Ob dies für Sie infrage kommt, besprechen wir individuell mit Ihnen im Vorfeld.
Werden Nähte oder Fadenanker später wieder entfernt?
Die Hautfäden werden nach etwa 12–14 Tagen entfernt oder lösen sich von selbst auf. Fadenanker, die zur Sehnennaht in den Knochen eingebracht werden, verbleiben dauerhaft und müssen nicht entfernt werden.
Arthroskopische Kalkherdentfernung bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist. Ob bei Ihnen tatsächlich eine Operation infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, des bisherigen Behandlungsverlaufs sowie Ihres Röntgen- und Ultraschallbefunds. Kommt eine arthroskopische Kalkherdentfernung für Sie infrage, planen wir den Eingriff und die Nachbehandlung gemeinsam mit Ihnen und begleiten Sie durch den gesamten Verlauf.
Unser Spezialist für die Schulter
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