Bizepssehnentenodese
Operative Neubefestigung der langen Bizepssehne am Oberarmknochen
Bei der Bizepssehnentenodese wird die lange Bizepssehne von ihrem ursprünglichen, meist geschädigten Ansatz am oberen Labrum gelöst und an anderer, mechanisch günstigerer Stelle am Oberarmknochen neu befestigt. Der Eingriff erfolgt meist arthroskopisch-assistiert, häufig ergänzt durch eine kleine zusätzliche offene Inzision zur Fixierung. Ziel ist es, die Sehne aus dem belasteten Bereich zu bringen und dabei Kontur und Kraft des Bizepsmuskels zu erhalten. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die zugrunde liegenden Erkrankungen, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unseren Seiten zur Bizepssehnentendinopathie und zur Bizepssehnenruptur.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen und hängt unter anderem davon ab, ob der Eingriff isoliert oder zusammen mit einer anderen Schulteroperation erfolgt.
Operationsdauer
Als alleiniger Eingriff meist 30–60 Minuten; als Begleiteingriff, etwa bei einer Rotatorenmanschettennaht, entsprechend länger.
Narkose
In der Regel eine Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine interskalenäre Plexusanästhesie (Regionalanästhesie) zur Schmerzkontrolle nach der Operation.
Operationstechnik
Meist arthroskopisch-assistiert über kleine Schlüssellochzugänge, ergänzt durch eine kleine zusätzliche offene Inzision zur eigentlichen Fixierung.
Krankenhausaufenthalt
Häufig ambulant oder mit einer Übernachtung möglich.
Ruhigstellung
Der Arm wird zunächst für einige Wochen in einer Schlinge oder einem Abduktionskissen geschont.
Belastung
Frühzeitig geführte, passive Bewegungsübungen; kräftiges Beugen des Ellenbogens gegen Widerstand erst nach mehreren Wochen, sobald die Sehne am Knochen angewachsen ist.
Rehabilitation
Schrittweise gesteigerte ambulante Physiotherapie über mehrere Wochen bis Monate.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 2–4 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 8–12 Wochen (körperlich fordernde oder Überkopftätigkeit).
Autofahren
Häufig nach etwa 4–6 Wochen möglich, sobald der Arm ausreichend frei beweglich und schmerzarm ist.
Wann wird eine Bizepssehnentenodese durchgeführt?
Eine Bizepssehnentenodese kommt vor allem in drei Situationen infrage: bei einer therapieresistenten Bizepssehnentendinopathie, bei der die Beschwerden trotz konsequent ausgeschöpfter konservativer und interventioneller Behandlung über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben; bei einer symptomatischen Bizepssehnenruptur bei funktionell anspruchsvollen oder jüngeren Patienten, die volle Kraft und Kontur des Oberarms erhalten möchten; sowie als Begleiteingriff im Rahmen einer anderen Schulteroperation, etwa einer Rotatorenmanschettennaht, wenn dabei eine relevante Bizepssehnenpathologie mitversorgt werden soll.
Details zur Indikationsstellung, zu den vorausgehenden konservativen und interventionellen Maßnahmen sowie zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen der langen Bizepssehne finden Sie auf den jeweiligen Erkrankungsseiten. Die Operation ist in aller Regel gut planbar und wird gemeinsam mit Ihnen terminiert.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden meist in Beach-Chair-Position, seltener in Seitenlage, gelagert. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine interskalenäre Plexusanästhesie zur Schmerzkontrolle in den ersten Stunden nach der Operation.
Arthroskopischer Zugang
Über wenige kleine Hautschnitte von jeweils nur wenigen Millimetern wird eine Kamera in das Schultergelenk eingebracht. Zunächst wird der Zustand der langen Bizepssehne, ihres Ansatzes am oberen Labrum sowie eventueller Begleitpathologien an Rotatorenmanschette oder Labrum beurteilt.
Ablösung und Neubefestigung der Sehne
Die geschädigte lange Bizepssehne wird von ihrem ursprünglichen Ursprung am oberen Labrum abgelöst. Anschließend wird sie an einer definierten Stelle am Oberarmknochen neu befestigt (Tenodese), je nach Situation und operativer Präferenz suprapektoral (oberhalb) oder subpektoral (unterhalb des großen Brustmuskelansatzes). Die Fixierung erfolgt meist mit einer kleinen Interferenzschraube oder einem Nahtanker, die die Sehne stabil im Knochen verankern. Für die subpektorale Fixierung wird häufig eine kleine zusätzliche offene Inzision am Oberarm ergänzt, da diese Region arthroskopisch weniger gut zugänglich ist.
Abschluss
Nach Kontrolle der stabilen Fixierung und, falls erforderlich, Versorgung einer Begleitpathologie werden die kleinen Hautschnitte verschlossen. Der Arm wird in einer Schlinge oder einem Abduktionskissen ruhiggestellt.
Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?
Zugang und Fixierungsort werden anhand Ihres Befunds und gegebenenfalls eines gleichzeitig durchzuführenden Begleiteingriffs festgelegt.
Suprapektorale Tenodese
Die Neubefestigung erfolgt oberhalb des Ansatzes des großen Brustmuskels, meist rein arthroskopisch. Dieser Zugang lässt sich gut mit anderen arthroskopischen Schultereingriffen, etwa einer Rotatorenmanschettennaht, kombinieren.
Subpektorale Tenodese
Die Neubefestigung erfolgt unterhalb des Ansatzes des großen Brustmuskels über eine kleine zusätzliche offene Inzision. Dieser Bereich bietet mechanisch günstige Verankerungsbedingungen und wird von vielen Operateuren bevorzugt.
Fixierung mit Interferenzschraube
Eine kleine, meist resorbierbare Schraube presst die Sehne in einen vorbereiteten Knochenkanal und sorgt so für eine stabile Verankerung.
Fixierung mit Nahtanker
Alternativ wird die Sehne mit einem im Knochen verankerten Nahtanker auf die Knochenoberfläche aufgenäht. Beide Fixierungsarten gelten als etablierte Verfahren.
Abgrenzung: Tenodese oder Tenotomie?
Als einfachere Alternative zur Tenodese steht die Tenotomie zur Verfügung, bei der die Sehne lediglich durchtrennt wird, ohne sie an anderer Stelle neu zu befestigen. Sie ist technisch einfacher und schneller durchführbar, führt jedoch fast immer zu einer sichtbaren Verlagerung des Muskelbauchs zum Ellenbogen hin, dem sogenannten Popeye-Zeichen, sowie mitunter zu einem leichten Kraftverlust bei der Supination des Unterarms. Die Tenotomie wird daher eher bei älteren, wenig aktiven Patienten gewählt, bei denen Kontur und Kraft eine untergeordnete Rolle spielen. Die Tenodese dagegen erhält Kontur und volle Kraft des Bizepsmuskels und wird deshalb bei jüngeren und aktiveren Patienten bevorzugt. Welches Verfahren für Sie geeignet ist, legen wir anhand Ihres Alters, Aktivitätsniveaus und funktionellen Anspruchs gemeinsam mit Ihnen fest.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Der Arm wird direkt nach der Operation in einer Schlinge oder einem Abduktionskissen ruhiggestellt, um die neu befestigte Sehne beim Einheilen zu schützen.
Ein Wundschmerz in den ersten Tagen ist normal und wird gut mit Schmerzmitteln sowie Kühlen der Schulter kontrolliert. Der stationäre Aufenthalt beschränkt sich häufig auf eine Übernachtung oder erfolgt ambulant. Bereits kurz nach der Operation beginnt meist eine schonende, geführte Physiotherapie mit passiven Bewegungsübungen, um einer Schultersteife vorzubeugen, während aktives, kräftiges Beugen des Ellenbogens zunächst konsequent vermieden wird. Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Wochen
Schlinge und passive Bewegungsübungen
Der Arm bleibt überwiegend in der Schlinge bzw. im Abduktionskissen. Unter physiotherapeutischer Anleitung werden vorsichtige, passive Bewegungsübungen der Schulter durchgeführt, um die Beweglichkeit zu erhalten.
- Nach etwa 2 Wochen
Wundkontrolle und aktiv-assistierte Übungen
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Schrittweise werden aktiv-assistierte Bewegungsübungen ergänzt, kräftiges Beugen des Ellenbogens bleibt weiterhin tabu.
- Nach 4–6 Wochen
Ablegen der Schlinge, Beginn des Kräftigungstrainings
Sobald die Sehne ausreichend am Knochen angewachsen ist, kann die Schlinge im Alltag abgelegt und ein behutsames, schrittweise gesteigertes Krafttraining des Bizeps begonnen werden.
- Nach 8–12 Wochen
Zunehmende Belastbarkeit im Alltag
Alltagsbewegungen und viele gelenkschonende Aktivitäten sind für die meisten Patienten wieder gut möglich, das Kräftigungsprogramm wird weiter intensiviert.
- Langfristig
Endgültiges Ergebnis nach einigen Monaten
Die volle Belastbarkeit einschließlich kräftiger sportlicher Beanspruchung des Bizeps ist meist nach etwa 4–6 Monaten erreicht.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen von der Fixierungsstelle, einem eventuellen Begleiteingriff und dem individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald der Arm ausreichend frei beweglich und schmerzarm ist und Notfallmanöver sicher möglich sind.
Büroarbeit
Mit angepasster Ruhigstellung, sofern keine kräftige Armbelastung erforderlich ist.
Überkopf- / Hebearbeit
Erst nach ausreichender Einheilung der Sehne und schrittweisem Kraftaufbau.
Lasten tragen
Schweres Heben und Tragen wird bis zur ausreichenden Sehnenheilung konsequent vermieden.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und mit zunächst zurückhaltender Zugbelastung des Bizeps.
Joggen / Laufen
Sofern der Arm dabei ruhig gehalten werden kann und keine Stützbelastung erfolgt.
Krafttraining Bizeps
Gezieltes, kräftiges Beugetraining erst nach vollständiger knöcherner Einheilung der Sehne.
Kontakt- / Wurfsport
Nach abgeschlossener Reha und individueller Freigabe, insbesondere bei Überkopf- oder Wurfsportarten.
Reisen
Mit Möglichkeit zur Schonung des Arms; bei längeren Reisen zunächst besser ab etwa 6 Wochen.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei passender Indikation berichten die meisten Patienten nach einer Bizepssehnentenodese von einer deutlichen Schmerzlinderung sowie einer guten Wiederherstellung von Kontur und Kraft des Oberarms.
Anders als bei der Tenotomie bleibt der Muskelbauch des Bizeps an seiner ursprünglichen Position, sodass die sichtbare Formveränderung (Popeye-Zeichen) in aller Regel vermieden wird. Auch die Supinationskraft des Unterarms wird meist gut wiederhergestellt. Das Ergebnis hängt unter anderem vom Ausmaß der zugrunde liegenden Sehnenschädigung, einer eventuellen Begleitpathologie an Rotatorenmanschette oder Labrum sowie der konsequenten Nachbehandlung ab. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem Eingriff insgesamt gering.
Spezifische Risiken dieser Operation
In seltenen Fällen kann sich die neu befestigte Sehne erneut vom Knochen lösen, insbesondere bei zu früher oder zu starker Belastung während der Einheilphase. Eine gewisse Bewegungseinschränkung (Schultersteife) kann vorübergehend auftreten und wird durch die frühzeitige Physiotherapie in aller Regel gut behandelt. Eine vorübergehende Reizung kleiner Hautnerven mit Taubheitsgefühl im Bereich der Inzision ist möglich. Auch nach einer Tenodese kann in Einzelfällen ein leichter Kraftverlust bei der Supination zurückbleiben.
Langfristige Risiken
Eine Materiallockerung der eingesetzten Schraube oder des Ankers ist selten. Bleibende, relevante Funktionseinschränkungen sind bei passender Indikation und komplikationslosem Verlauf insgesamt selten.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Erneutes, plötzliches „Schnappen" mit sichtbarer Verlagerung des Muskelbauchs, möglicher Hinweis auf eine erneute Ablösung der Sehne
- Neu auftretende oder zunehmende Taubheit oder Kribbeln im Arm
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung des Unterarms (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Häufig gestellte Fragen zur Bizepssehnentenodese
Wie groß sind die Narben?
Bei rein arthroskopischer suprapektoraler Tenodese entstehen nur wenige, wenige Millimeter kleine Schnitte. Bei der subpektoralen Variante kommt eine kleine zusätzliche offene Inzision von einigen Zentimetern am Oberarm hinzu. Mit der Zeit verblassen die Narben meist deutlich.
Muss ich nach der Operation eine Schlinge tragen und wie lange?
Ja, in der Regel wird der Arm für einige Wochen in einer Schlinge oder einem Abduktionskissen geschont, bis die Sehne ausreichend am Knochen angewachsen ist. Die genaue Dauer legt Ihr Operateur individuell fest.
Wie stark sind die Schmerzen nach der Operation?
Der Wundschmerz ist in den ersten Tagen normal und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln sowie Kühlen kontrollieren. Eine ergänzende Regionalanästhesie kann die Schmerzen in den ersten Stunden nach der Operation zusätzlich lindern.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach zwei bis vier Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder oder Überkopftätigkeit kann es acht bis zwölf Wochen dauern.
Kann sich die neu befestigte Sehne wieder ablösen?
Das ist selten, kann aber vor allem bei zu früher oder zu starker Belastung während der Einheilphase vorkommen. Deshalb ist die konsequente Einhaltung der Ruhigstellungs- und Belastungsvorgaben in den ersten Wochen besonders wichtig.
Warum wird manchmal suprapektoral, manchmal subpektoral fixiert?
Beide Fixierungsorte gelten als etabliert. Die Wahl richtet sich unter anderem danach, ob ein gleichzeitiger arthroskopischer Begleiteingriff erfolgt, wie ausgeprägt die Sehnenschädigung ist und nach der operativen Erfahrung und Präferenz des Operateurs.
Bleibt nach der Tenodese eine Kraftminderung zurück?
Bei den meisten Patienten wird die Kraft bei passender Indikation gut wiederhergestellt. Ein leichter Kraftverlust bei der Supination des Unterarms ist in Einzelfällen möglich, wird im Alltag aber häufig kaum bemerkt.
Kann die Bizepssehnentenodese mit anderen Schulteroperationen kombiniert werden?
Ja, sie wird häufig im gleichen Eingriff mit anderen Schulteroperationen kombiniert, etwa mit einer Rotatorenmanschettennaht, wenn dabei eine relevante Bizepssehnenpathologie mitversorgt werden soll.
Bizepssehnentenodese bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist.
Ob eine Bizepssehnentenodese für Sie infrage kommt, welcher Fixierungsort geeignet ist und ob ein Begleiteingriff, etwa an der Rotatorenmanschette, sinnvoll ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und der Bildgebung. Wir begleiten Sie durch die Operation und die anschließende Nachbehandlung.
Unser Spezialist für die Schulter
Das könnte Sie auch interessieren
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Bizepssehnentenodese empfohlen wurde und Sie den Ablauf und den für Sie geeigneten Fixierungsort besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.