Bizepssehnenruptur: Riss der langen Bizepssehne
Bei einer Bizepssehnenruptur reißt die lange Bizepssehne, die vom Oberarmmuskel zum Schultergelenk zieht, meist auf dem Boden einer bereits länger bestehenden, abgenutzten Sehne. Typisch sind ein plötzlicher, oft schmerzhafter „Riss" sowie eine sichtbare Verformung des Oberarms, das sogenannte Popeye-Zeichen. Die meisten Patienten kommen mit einer konservativen Behandlung gut zurecht, da der Kraftverlust in der Regel gering bleibt. Wir erklären, woran Sie eine Bizepssehnenruptur erkennen, wie sie diagnostiziert wird und für wen eine Operation sinnvoll sein kann.
Termin vereinbarenDas Wichtigste auf einen Blick
Was ist es?
Ein vollständiger Riss der langen Bizepssehne, meist im Rahmen einer vorbestehenden, abgenutzten Sehne, seltener durch ein akutes Trauma.
Typische Beschwerden
Plötzlicher, oft schmerzhafter „Knall" oder Riss, gefolgt von einer sichtbaren Vorwölbung des Muskelbauchs im Oberarm (Popeye-Zeichen).
Diagnostik
Meist eine klinische Blickdiagnose anhand des Popeye-Zeichens, ergänzt durch eine Ultraschalluntersuchung zur Bestätigung.
Behandlung
Bei den meisten Patienten reicht eine konservative Behandlung aus, da die Kraftminderung beim Beugen meist gering bleibt.
Operation notwendig?
In der Regel nicht. Eine Operation (Tenodese) kann bei jüngeren, kraftbedürftigen oder aktiven Patienten sinnvoll sein.
Prognose
Funktionell meist gut, die kosmetisch sichtbare Veränderung des Oberarms bleibt ohne Operation jedoch bestehen.
Welche Symptome verursacht eine Bizepssehnenruptur?
Der Riss der langen Bizepssehne macht sich meist durch ein plötzliches, teils hörbares oder spürbares „Schnappen" oder einen „Knall" im Bereich der Schulter oder des Oberarms bemerkbar, oft begleitet von einem kurzen, stechenden Schmerz.
Innerhalb kurzer Zeit zeigt sich anschließend das charakteristische Bild: Der Muskelbauch des Bizeps rutscht nach distal, also in Richtung Ellenbeuge, und bildet dort eine sichtbare, manchmal auch tastbare Vorwölbung, das sogenannte Popeye-Zeichen, benannt nach der markanten Unterarmform der Comicfigur. Häufig tritt zusätzlich ein Bluterguss am Oberarm auf.
Erstaunlicherweise bemerken viele Patienten im Alltag danach nur einen geringen Kraftverlust bei der Beugung des Ellenbogens und bei der Drehung des Unterarms (Supination). Der Grund: Die lange Bizepssehne trägt nur einen Teil der Beugekraft, der kurze Bizepskopf sowie weitere Muskeln übernehmen einen erheblichen Teil der Funktion. Bestehen bleibt jedoch meist die sichtbare Formveränderung des Oberarms.
Wann sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen?
Nach einem „Knall" im Oberarm zeitnah abklären lassen
Ein akuter Riss der langen Bizepssehne ist selten ein Notfall, sollte aber zur Bestätigung der Diagnose und zum Ausschluss von Begleitverletzungen zeitnah ärztlich untersucht werden, insbesondere in folgenden Situationen:
- Plötzliches Schnappen oder Knallgefühl im Oberarm oder in der Schulter, gefolgt von einer sichtbaren Formveränderung des Muskels
- Deutlicher, akuter Kraftverlust bei der Beugung des Armes oder starke Schmerzen, die auf eine Begleitverletzung der Rotatorenmanschette hindeuten könnten
- Ausgeprägte Schwellung, starker Bluterguss oder zunehmende Schmerzen im Verlauf
Bei jungen, aktiven Patienten mit deutlichem Kraftverlust sollte zeitnah geprüft werden, ob Begleitverletzungen vorliegen, da dies die Therapieentscheidung beeinflussen kann.
Was ist eine Bizepssehnenruptur?
Die lange Bizepssehne
Der Bizepsmuskel des Oberarms besitzt zwei Ursprungssehnen: einen kurzen und einen langen Kopf. Die lange Bizepssehne verläuft durch einen engen Kanal (den Sulcus intertubercularis) und weiter durch das Schultergelenk zu ihrem Ansatz am oberen Rand der Gelenkpfanne. Auf diesem gesamten Weg ist sie mechanischer Reibung und Einengung ausgesetzt, was sie im Lauf des Lebens anfällig für Verschleiß macht.
Wie entsteht der Riss?
Eine Bizepssehnenruptur entsteht meist im Rahmen einer vorbestehenden, degenerativen Schädigung der Sehne, die sich über Jahre schleichend entwickelt hat (siehe Abgrenzung zur Bizepssehnentendinopathie). Die bereits geschwächte Sehne reißt dann oft bei alltäglichen oder nur mäßig belastenden Bewegungen. Seltener kommt es bei jüngeren, sehnengesunden Patienten zu einem Riss durch ein akutes Trauma, etwa bei plötzlicher, starker Kraftanstrengung gegen Widerstand (z. B. beim Heben einer schweren Last).
Risikofaktoren für den degenerativen Riss sind vor allem zunehmendes Alter, wiederholte Überkopfbelastungen, ein bestehendes Engpasssyndrom der Schulter (subakromiales Impingement) sowie häufig begleitende Veränderungen an der Rotatorenmanschette.
Bizepssehnenruptur oder Bizepssehnentendinopathie, wo liegt der Unterschied?
Diese beiden Krankheitsbilder hängen eng zusammen und sind häufig zwei Phasen derselben Entwicklung:
- Bizepssehnentendinopathie: Eine schmerzhafte Reizung oder Abnutzung der langen Bizepssehne, bei der die Sehne selbst noch intakt, also durchgehend, ist. Sie ist grundsätzlich einer gezielten konservativen Behandlung zugänglich.
- Bizepssehnenruptur: Der vollständige Riss der Sehne, oft die Endstrecke einer länger bestehenden, unbehandelten oder nicht ausreichend behandelten Tendinopathie. Die Sehnenkontinuität ist hier unterbrochen.
Diese Unterscheidung ist medizinisch bedeutsam: Solange die Sehne noch intakt ist, stehen reizlindernde und regenerative Verfahren im Vordergrund. Ist die Sehne bereits gerissen, sind diese Verfahren nicht mehr wirksam, da es keine behandelbare Sehnenreizung im eigentlichen Sinn mehr gibt (siehe Abschnitt zur konservativen Behandlung).
Wie wird eine Bizepssehnenruptur diagnostiziert?
Klinische Blickdiagnose
Der Riss der langen Bizepssehne lässt sich in den meisten Fällen bereits durch die klinische Untersuchung sicher erkennen: Das Popeye-Zeichen, die nach distal verlagerte, sichtbare Vorwölbung des Muskelbauchs, besonders deutlich bei angespanntem Bizeps im Seitenvergleich mit dem gesunden Arm, ist typisch und meist wegweisend. Zusätzlich wird die Kraft bei Beugung und Supination geprüft sowie die Schulter auf Begleitverletzungen, insbesondere der Rotatorenmanschette, untersucht.
Ultraschall zur Bestätigung
Die Ultraschalluntersuchung bestätigt die Diagnose zuverlässig: Sie zeigt den fehlenden Sehnenverlauf im Sulcus intertubercularis beziehungsweise die zurückgezogene, verdickte Sehnenstruktur im Oberarm und lässt sich unmittelbar in der Sprechstunde durchführen.
Weitere Bildgebung
Eine MRT-Untersuchung ist für die reine Diagnosestellung meist nicht notwendig, kann aber sinnvoll sein, um Begleitverletzungen der Rotatorenmanschette oder des oberen Labrums genauer zu beurteilen, insbesondere wenn eine Operation erwogen wird.
Wie wird eine Bizepssehnenruptur behandelt?
Nein, eine Bizepssehnenruptur muss nicht in jedem Fall operiert werden. Bei den meisten, insbesondere älteren und weniger aktiven Patienten reicht eine konservative Behandlung aus.
Ob eine Operation sinnvoll ist, richtet sich vor allem nach dem Alter, dem funktionellen Anspruch und Aktivitätsniveau, dem Ausmaß des tatsächlichen Kraftverlusts sowie eventuellen Begleitverletzungen der Rotatorenmanschette. Für die meisten Alltagsbewegungen reicht die verbleibende Kraft des kurzen Bizepskopfes und der übrigen Beugemuskulatur aus, sodass bei geringem funktionellem Anspruch häufig keine Operation notwendig ist, die sichtbare Formveränderung des Oberarms bleibt dabei allerdings bestehen.
Konservative Behandlung einer Bizepssehnenruptur
Bei den meisten, insbesondere älteren und weniger aktiven Patienten ist die konservative Behandlung ausreichend, da die Kraftminderung meist gering bleibt.
Schonung in der Akutphase
In den ersten Tagen nach dem Riss steht die Schmerzlinderung im Vordergrund: Schonung, Kühlung und bei Bedarf entzündungshemmende Schmerzmittel lassen die akute Schwellung und den Bluterguss abklingen.
Physiotherapie
Nach Abklingen der akuten Beschwerden hilft gezieltes Training, die verbleibende Kraft und Beweglichkeit von Schulter und Ellenbogen zu erhalten beziehungsweise wiederherzustellen und die Funktion im Alltag zu sichern.
Schrittweiser Belastungsaufbau
Die Belastung von Arm und Schulter wird im Anschluss an die Akutphase schrittweise gesteigert, angepasst an Beschwerden und individuellen Alltag beziehungsweise Sport.
Stoßwellentherapie, hochintensive Lasertherapie (HILT) und PRP-Infiltration sind bei einer bereits eingetretenen Bizepssehnenruptur medizinisch nicht sinnvoll und werden hier daher bewusst nicht aufgeführt: Diese Verfahren setzen an einer noch durchgehenden, gereizten Sehne an, um Regenerationsprozesse anzuregen. Ist die Sehne jedoch bereits vollständig gerissen, ist ihre Kontinuität unterbrochen, es liegt keine behandelbare Sehnenreizung mehr vor, an der diese Verfahren ansetzen könnten.
Wann ist eine Operation sinnvoll?
Eine Operation kann bei jüngeren, kraftbedürftigen oder sportlich beziehungsweise beruflich stark aktiven Patienten sinnvoll sein, wenn die volle Supinationskraft und die Kontur des Oberarms erhalten bleiben sollen.
Auch bei relevantem funktionellem Anspruch, etwa bei Berufen oder Sportarten mit hohen Anforderungen an Kraft und Ausdauer des Arms, kann eine operative Refixation der Sehne erwogen werden. Bei den meisten älteren oder weniger aktiven Patienten überwiegt dagegen der Nutzen der konservativen Behandlung, da der funktionelle Gewinn einer Operation die möglichen Risiken des Eingriffs oft nicht rechtfertigt. Die Entscheidung wird stets individuell und im gemeinsamen Gespräch getroffen.
Welches Operationsverfahren kommt infrage?
Bizepssehnentenodese
Bei der Tenodese wird die gerissene lange Bizepssehne aufgesucht und an einer neuen, stabilen Stelle am Oberarmknochen refixiert. Ziel ist es, die Kontur des Oberarms wiederherzustellen und die volle Supinations- und Beugekraft zu erhalten, dies eignet sich besonders für jüngere, aktive Patienten mit relevantem funktionellem Anspruch.
Wie geht es nach der Behandlung weiter?
Nach einer konservativen Behandlung wird die Belastung von Arm und Schulter schrittweise wieder aufgebaut, begleitet von Physiotherapie zum Erhalt von Kraft und Beweglichkeit. Die meisten Alltagsbewegungen sind bereits nach kurzer Zeit wieder gut möglich.
Nach einer operativen Tenodese wird der Arm für einige Wochen in seiner Belastung geschont und die Physiotherapie schrittweise gesteigert, um die Anheilung der refixierten Sehne nicht zu gefährden. Wann volle Belastung, Sport oder berufliche Tätigkeiten wieder möglich sind, hängt vom individuellen Heilungsverlauf ab und wird im Rahmen der Nachsorge besprochen.
Wie ist die Prognose bei einer Bizepssehnenruptur?
Funktionell ist die Prognose bei den meisten Patienten gut: Die verbleibende Kraft des kurzen Bizepskopfes und der übrigen Beugemuskulatur reicht für die meisten Alltagsbelastungen aus. Wird konservativ behandelt, bleibt die sichtbare Formveränderung des Oberarms, die nach distal verlagerte Muskelvorwölbung, dauerhaft bestehen, ist medizinisch aber ohne weitere Bedeutung.
Nach einer Tenodese berichten die meisten Patienten bei passender Indikation von einer guten Wiederherstellung der Kraft und der Oberarmkontur. Wie bei jeder Operation bestehen individuelle Unterschiede im Heilungsverlauf, die im Rahmen der Nachsorge besprochen werden.
Häufig gestellte Fragen zur Bizepssehnenruptur
Muss eine Bizepssehnenruptur immer operiert werden?
Nein. Bei den meisten, insbesondere älteren und weniger aktiven Patienten reicht eine konservative Behandlung aus, da der Kraftverlust meist gering bleibt. Eine Operation kommt vor allem bei jüngeren, kraftbedürftigen oder aktiven Patienten infrage.
Bleibt die Muskelvorwölbung (Popeye-Zeichen) dauerhaft bestehen?
Ohne Operation bleibt die sichtbare Verlagerung des Muskelbauchs in der Regel dauerhaft bestehen. Sie ist eine kosmetische, keine funktionelle Einschränkung. Eine Tenodese kann die ursprüngliche Kontur des Oberarms wiederherstellen.
Warum werden Stoßwelle, HILT oder PRP hier nicht eingesetzt?
Diese Verfahren setzen an einer noch intakten, gereizten Sehne an und regen deren Regeneration an. Ist die Sehne bereits vollständig gerissen, gibt es keine behandelbare Sehnenreizung mehr, an der diese Therapien ansetzen könnten.
Wie stark ist der Kraftverlust nach einer Bizepssehnenruptur wirklich?
Meist geringer als viele Betroffene befürchten. Die Beugekraft im Ellenbogen wird zu einem erheblichen Teil vom kurzen Bizepskopf und weiteren Muskeln übernommen, sodass sich der Kraftverlust im Alltag oft kaum bemerkbar macht.
Ist eine Bizepssehnenruptur immer die Folge einer Verletzung?
Nein, meist nicht. Die häufigste Ursache ist eine vorbestehende, über Jahre entstandene Abnutzung der Sehne, die schließlich reißt, oft bei alltäglichen Bewegungen. Ein akuter Riss durch plötzliche starke Krafteinwirkung ist seltener.
Wie lange bin ich nach einer Bizepssehnentenodese arbeitsunfähig?
Dies hängt von der beruflichen Belastung und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Bei überwiegend sitzender Tätigkeit ist eine frühere Rückkehr möglich als bei körperlich fordernden Berufen. Die genaue Dauer wird individuell mit Ihnen besprochen.
Kann ich mit einer gerissenen Bizepssehne noch Sport treiben?
Viele Alltagsaktivitäten und moderater Sport sind auch ohne Operation meist gut möglich. Bei Sportarten mit hohen Anforderungen an Armkraft kann eine Tenodese sinnvoll sein, um die volle Kraft wiederherzustellen.
Behandlung der Bizepssehnenruptur bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Auf dieser Grundlage besprechen wir gemeinsam mit Ihnen, welche Behandlung in Ihrer individuellen Situation medizinisch sinnvoll ist.
Je nach Befund, Alter, Aktivitätsniveau und individuellem Anspruch reicht das Spektrum von der konservativen Behandlung mit gezielter Physiotherapie bis zur operativen Bizepssehnentenodese. Wir legen besonderen Wert auf eine sorgfältige klinische Untersuchung und Ultraschalldiagnostik, um mit Ihnen gemeinsam die für Ihre Situation passende Behandlung festzulegen.
Unser Spezialist für die Schulter
Zweitmeinung vor einer Bizepssehnentenodese
Da eine Operation bei der Bizepssehnenruptur meist ein planbarer, elektiver Eingriff ist, kann eine unabhängige Zweitmeinung eine gute Entscheidungsgrundlage bieten. Dabei werden Ihre Beschwerden, der klinische und Ultraschallbefund, Ihr funktioneller Anspruch sowie das empfohlene Vorgehen erneut eingeordnet. So können Sie Ihre Entscheidung für oder gegen eine Operation auf einer zusätzlichen fachlichen Einschätzung aufbauen.
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