Radiofrequenzdenervation der Facettengelenke
Minimalinvasive, bildgesteuerte Ausschaltung der schmerzleitenden Nervenäste an den Facettengelenken (Ramus-medialis-Technik)
Termin vereinbarenDas Verfahren auf einen Blick
Die Radiofrequenzdenervation der Facettengelenke ist ein minimalinvasives Verfahren zur Linderung chronischer, facettengelenksbedingter Rückenschmerzen. Unter Bildkontrolle wird eine dünne Sonde gezielt an den Ramus medialis herangeführt, den kleinen sensorischen Nervenast, der Schmerzsignale aus dem jeweiligen Facettengelenk weiterleitet. Durch gezielte Wärmeeinwirkung wird dieser Nervenast vorübergehend ausgeschaltet. Wichtig zu wissen: Das Verfahren behandelt die Schmerzweiterleitung, nicht die zugrunde liegende Gelenkveränderung, und setzt in aller Regel den positiven Ausfall diagnostischer Testblockaden voraus. Was das für Sie bedeutet und wie der Ablauf konkret aussieht, erklären wir auf dieser Seite. Informationen zur Facettengelenksarthrose selbst finden Sie auf unserer entsprechenden Seite.
Eingriffsdauer
Je nach Anzahl der behandelten Segmente meist etwa 30–60 Minuten.
Betäubung
In der Regel örtliche Betäubung der Einstichstellen, ggf. ergänzt durch eine leichte Sedierung.
Ambulant / stationär
Ambulanter Eingriff, ein Krankenhausaufenthalt ist normalerweise nicht erforderlich.
Bildsteuerung
Sondenplatzierung unter Röntgendurchleuchtung (C-Bogen).
Diagnostische Testblockaden
Vorausgesetzt werden i. d. R. 1–2 diagnostische Medial-Branch-Blockaden mit jeweils ≥ 50 % Schmerzreduktion.
Belastung danach
Leichte Schonung am Eingriffstag, danach meist rasch wieder normale Alltagsbelastung möglich.
Wirkeintritt
Die schmerzlindernde Wirkung setzt meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ein.
Wirkdauer
In der Regel 2–3 Jahre, da sich der behandelte Nervenast im Verlauf regenerieren kann.
Wiederholbarkeit
Bei erneuten Beschwerden ist laut Leitlinie eine Wiederholung ohne erneute Testblockade möglich, da der Regenerationsmechanismus der Nervenäste bekannt ist.
Wie läuft die Radiofrequenzdenervation ab?
Diagnostische Testblockaden
Vor der eigentlichen Denervation werden in der Regel 1–2 diagnostische Medial-Branch-Blockaden durchgeführt: Der jeweilige Ramus medialis wird dabei probeweise mit einem örtlichen Betäubungsmittel umspritzt. Nur wenn sich der Rückenschmerz bei der jeweiligen Testblockade um mindestens 50 % bessert, gilt dies als ausreichender Hinweis darauf, dass die spätere Denervation an denselben Nervenästen wirksam sein könnte. Diese sorgfältige Vortestung ist laut Leitlinie ein zentraler Baustein, um die Behandlung möglichst gezielt einzusetzen.
Vorbereitung und Betäubung
Sie liegen für den Eingriff auf dem Bauch. Die Einstichstellen der Haut werden örtlich betäubt; eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Bei Bedarf kann zusätzlich eine leichte Sedierung zur Entspannung gegeben werden.
Sondenplatzierung unter Bildkontrolle
Unter Röntgendurchleuchtung wird eine dünne Sonde durch die Haut bis an die typische Lage des Ramus medialis am Übergang von Querfortsatz und oberem Gelenkfortsatz herangeführt. Für eine möglichst große Läsion wird die Sonde nach Möglichkeit parallel zum Nervenverlauf positioniert. Je nach betroffenem Segment werden meist mehrere Facettengelenke bzw. deren versorgende Nervenäste in einer Sitzung behandelt.
Thermische Ausschaltung des Nervenastes
Nach korrekter Lagekontrolle wird über die Sonde ein hochfrequenter Wechselstrom appliziert, der an der Sondenspitze gezielt Wärme erzeugt. Bei der konventionellen Technik werden dabei üblicherweise Temperaturen von etwa 75–90 °C für rund 60–120 Sekunden je Lokalisation appliziert, häufig mit mehreren Läsionen pro Ramus medialis. Diese thermische Einwirkung unterbricht vorübergehend die Fähigkeit des Nervenastes, Schmerzsignale weiterzuleiten. Dieser Schritt wird für jeden zu behandelnden Nervenast einzeln wiederholt.
Abschluss
Nach Entfernung der Sonden werden die kleinen Einstichstellen mit einem Pflaster versorgt. Nähte sind nicht erforderlich. Sie können den Eingriffsraum nach kurzer Nachbeobachtung noch am selben Tag wieder verlassen.
Wann ist eine Radiofrequenzdenervation der Facettengelenke sinnvoll?
Die Radiofrequenzdenervation kommt für Patienten mit chronischen, überwiegend facettengelenksbedingten Rückenschmerzen der Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule infrage, bei denen konservative Therapien, etwa Physiotherapie, medikamentöse Schmerztherapie oder Facetteninfiltrationen, bereits ausgeschöpft sind, ohne ausreichende Besserung zu erzielen.
Voraussetzung ist laut AWMF-S3-Leitlinie „Radiofrequenz-Denervation der Facettengelenke und des ISG" in der Regel der positive Ausfall von 1–2 diagnostischen Medial-Branch-Blockaden mit jeweils mindestens 50 % Schmerzreduktion. Erst wenn sich die Schmerzursache auf diese Weise dem jeweiligen Facettengelenk zuordnen lässt, kommt die eigentliche Denervation infrage. Bildgebende Befunde wie Röntgen oder MRT haben laut Leitlinie dabei keinen zuverlässigen Vorhersagewert für das Ansprechen auf die Behandlung, die Indikation stützt sich in erster Linie auf die klinische Symptomatik und das Ansprechen auf die Testblockaden.
Ob eine Radiofrequenzdenervation für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, Ihrer Vorbehandlungen und des Ergebnisses der diagnostischen Testblockaden.
Was passiert unmittelbar nach dem Eingriff?
Da der Eingriff ambulant und minimalinvasiv erfolgt, können Sie sich meist bereits am selben Tag wieder normal bewegen.
An den kleinen Einstichstellen können vorübergehende Schmerzen oder ein leichter Bluterguss auftreten, die in der Regel innerhalb weniger Tage abklingen. Manche Patienten berichten außerdem über eine vorübergehende Reizung im behandelten Bereich, die sich meist von selbst zurückbildet. Wir empfehlen, den Tag des Eingriffs selbst noch ruhig anzugehen und stärkere körperliche Belastung erst in den Folgetagen wieder aufzunehmen. Duschen ist meist am Folgetag möglich, sobald die Einstichstellen trocken und reizlos sind. Eine gesonderte Wundkontrolle ist bei diesem minimalinvasiven Verfahren in der Regel nicht notwendig.
Wie geht es in den Wochen danach weiter?
- Erste Tage
Abklingende Reizung an den Einstichstellen
Leichte Schmerzen oder ein Bluterguss an den Einstichstellen sind normal und bilden sich meist rasch zurück. Alltagsbewegungen sind erlaubt, stärkere körperliche Belastung sollte noch geschont werden.
- Erste 1–2 Wochen
Mögliche vorübergehende Beschwerdezunahme
Manche Patienten berichten in den ersten Tagen über eine leichte, vorübergehende Reizung des behandelten Bereichs, bevor die eigentliche schmerzlindernde Wirkung einsetzt.
- Nach etwa 2–4 Wochen
Einsetzende Schmerzlinderung
Bei Patienten, die auf das Verfahren ansprechen, zeigt sich in diesem Zeitraum meist die spürbare Besserung der Rückenschmerzen im Alltag.
- Über mehrere Monate
Anhaltende Wirkung
Bei Patienten, die auf die Behandlung ansprechen, hält die schmerzlindernde Wirkung in der Regel über mehrere Monate an und kann sich, abhängig vom individuellen Verlauf, auf insgesamt etwa 2–3 Jahre erstrecken.
- Langfristig
Nachlassende Wirkung und mögliche Wiederholung
Da sich der Ramus medialis im Verlauf regenerieren kann, lässt die Wirkung, häufig nach etwa 2–3 Jahren, mit der Zeit nach. Bei erneuten Beschwerden ist laut Leitlinie eine Wiederholung ohne erneute Testblockade möglich, da dieser Regenerationsmechanismus bekannt ist.
Welches Ergebnis kann ich erwarten?
Wird meine Facettengelenksarthrose dadurch geheilt? Nein. Die Radiofrequenzdenervation verändert die Gelenkstruktur nicht, sondern unterbricht die Weiterleitung der Schmerzsignale aus dem behandelten Facettengelenk.
Die vorab durchgeführten diagnostischen Testblockaden helfen, die persönliche Erfolgsaussicht besser einzuschätzen, ersetzen aber keine Erfolgsgarantie. Eine solche Garantie kann Ihnen niemand geben, wir besprechen Ihre individuelle Prognose anhand Ihres Befunds und des Ergebnisses der Testblockaden mit Ihnen.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Risiken
Da es sich um eine minimalinvasive Punktion und keine offene Operation handelt, sind die Risiken insgesamt gering. Wie bei jeder Punktion besteht ein geringes Infektionsrisiko an den Einstichstellen.
Spezifische Risiken des Verfahrens
An den Einstichstellen können vorübergehende Schmerzen oder ein Bluterguss auftreten, die üblicherweise von selbst abklingen. Sehr selten kommt es zu einer Reizung eines behandelten oder benachbarten Nervenastes mit vorübergehendem Taubheits- oder Missempfindungsgefühl im zugehörigen Hautareal.
Langfristige Aspekte
Da sich der Ramus medialis regenerieren kann, ist die Wirkung nicht dauerhaft. Dies ist kein Risiko im eigentlichen Sinne, sollte Ihnen aber vor dem Eingriff bewusst sein, damit Sie realistische Erwartungen an das Verfahren haben.
Worauf sollten Sie nach dem Eingriff achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah melden
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns vorstellen, statt abzuwarten.
- Fieber
- Zunehmende Rötung, Überwärmung, Nässen oder Schwellung an einer Einstichstelle
- Ungewöhnlich starke oder über Tage zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretendes, deutliches oder anhaltendes Taubheitsgefühl oder Kraftverlust im Rücken- oder Beinbereich
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns vorstellen, statt abzuwarten.
Radiofrequenzdenervation der Facettengelenke bei MedArtes
Ob eine Radiofrequenzdenervation der Facettengelenke für Sie eine sinnvolle Option darstellt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, Ihrer bisherigen Behandlungen und der Ergebnisse der diagnostischen Testblockaden. Für die eigentliche Denervation setzen wir je nach Befund sowohl die konventionelle als auch die gekühlte Radiofrequenztechnik ein. Wir besprechen mit Ihnen offen, welche realistischen Erwartungen an das Verfahren angemessen sind und wie es sich in Ihr Gesamtbehandlungskonzept einfügt.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen zur Radiofrequenzdenervation der Facettengelenke
Heilt das meine Facettengelenksarthrose?
Nein. Die Radiofrequenzdenervation verändert das Gelenk selbst nicht, sondern unterbricht die Weiterleitung der Schmerzsignale des behandelten Facettengelenks. Die zugrunde liegende Gelenkveränderung besteht weiterhin, das Verfahren behandelt gezielt den Schmerz, nicht dessen strukturelle Ursache.
Warum sind vor der Behandlung Testblockaden nötig?
Vor der Denervation werden in der Regel 1–2 diagnostische Medial-Branch-Blockaden mit jeweils mindestens 50 % Schmerzreduktion durchgeführt. Das dient dazu, die Schmerzursache möglichst zuverlässig dem jeweiligen Facettengelenk zuzuordnen, da Bildgebung allein laut Leitlinie keinen zuverlässigen Vorhersagewert für das Ansprechen hat.
Wie lange hält die Wirkung an?
In der Regel etwa 2–3 Jahre. Da sich der behandelte Nervenast im Laufe der Zeit regenerieren kann, lässt die schmerzlindernde Wirkung danach häufig nach, eine Wiederholung der Behandlung ist dann möglich.
Kann ich das Verfahren wiederholen?
Ja. Wenn die Wirkung nachlässt und erneut Beschwerden auftreten, kann laut Leitlinie eine wiederholte Denervation ohne erneute Testblockade erwogen werden, da der Regenerationsmechanismus der Nervenäste bekannt ist.
Bin ich danach schmerzfrei?
Das lässt sich nicht garantieren. Das Ansprechen ist individuell unterschiedlich; manche Patienten profitieren deutlich, andere weniger oder gar nicht. Die vorab durchgeführten Testblockaden helfen, die Erfolgsaussicht realistisch einzuschätzen.
Was ist der Unterschied zur gekühlten Radiofrequenztechnik (z. B. Avanos COOLIEF)?
Bei der gekühlten Technik wird die Sondenspitze während der Anwendung von innen mit Wasser gekühlt. Dadurch entsteht ein kugelförmiger Verödungsradius, der eine größere Läsion am Nerv ermöglicht, bei einer Anwendungsdauer von 150 Sekunden je Lokalisation ist dabei häufig nur eine Läsion pro Ramus medialis nötig. Bei MedArtes kommen je nach Befund beide Techniken zum Einsatz, sowohl konventionell als auch gekühlt.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Die Einstichstellen werden örtlich betäubt, sodass der Eingriff für die meisten Patienten gut erträglich ist. Ein kurzzeitiges Druck- oder Wärmegefühl während der Denervation ist möglich.
Muss ich danach ins Krankenhaus?
Nein, die Radiofrequenzdenervation wird ambulant durchgeführt. Sie können den Eingriffsraum nach kurzer Nachbeobachtung noch am selben Tag wieder verlassen.
Wann darf ich mich wieder normal bewegen?
In der Regel bald. Am Eingriffstag selbst empfiehlt sich eine ruhige Gangart und Schonung, stärkere körperliche Belastung kann meist in den Folgetagen wieder aufgenommen werden.