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Wirbelsäule · Interventionelle Schmerztherapie

Radiofrequenzdenervation des Iliosakralgelenks (ISG)

Minimalinvasive, bildgesteuerte Ausschaltung der schmerzleitenden ISG-Nervenäste

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Kurzüberblick

Das Verfahren auf einen Blick

Die Radiofrequenzdenervation des Iliosakralgelenks ist ein minimalinvasives, perkutanes Verfahren zur Linderung chronischer, vom ISG ausgehender Rückenschmerzen. Unter Bildkontrolle wird eine dünne Sonde gezielt an die sensorischen Nervenäste herangeführt, die Schmerzsignale aus dem Iliosakralgelenk weiterleiten. Durch gezielte Wärmeeinwirkung werden diese Nervenäste vorübergehend ausgeschaltet. Das Verfahren behandelt die Schmerzweiterleitung, nicht die zugrunde liegende Ursache im Gelenk selbst. Was das ISG-Syndrom ist und welche konservativen und interventionellen Optionen es sonst noch gibt, erfahren Sie auf unserer ISG-Syndrom-Seite.

Eingriffsdauer

Meist etwa 30–60 Minuten, abhängig von der Anzahl der behandelten Nervenäste.

Betäubung

In der Regel örtliche Betäubung der Einstichstellen, ggf. ergänzt durch eine leichte Sedierung.

Ambulant / stationär

Ambulanter Eingriff, ein Krankenhausaufenthalt ist normalerweise nicht erforderlich.

Bildsteuerung

Sondenplatzierung unter Röntgendurchleuchtung.

Diagnostische Vortestung

In der Regel mehrere Testblockaden der lateralen Äste an verschiedenen Stellen und Tiefen, vorab an separatem Termin.

Belastung danach

Alltagsbelastung ist meist bald wieder möglich, leichte Schonung am Eingriffstag ist sinnvoll.

Wirkeintritt

Die schmerzlindernde Wirkung setzt meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ein.

Wirkdauer

Typischerweise 2–3 Jahre, individuell unterschiedlich.

Wiederholbarkeit

Bei nachlassender Wirkung kann eine erneute Behandlung ohne erneute Testblockade erwogen werden.

Das Verfahren

Wie läuft die Radiofrequenzdenervation des ISG ab?

Diagnostische Testblockaden der lateralen Äste

Vor der eigentlichen Denervation wird die Erfolgsaussicht anhand diagnostischer Testblockaden abgeschätzt. Dabei werden die lateralen Äste, die das ISG sensorisch versorgen, an mehreren Stellen und in unterschiedlichen Tiefen probeweise mit einem örtlichen Betäubungsmittel umspritzt. Lässt der Schmerz daraufhin für die zu erwartende Wirkdauer des Betäubungsmittels deutlich nach, spricht dies dafür, dass eine Radiofrequenzdenervation an denselben Nervenästen ebenfalls wirksam sein könnte. Diese Vortestung erfolgt in der Regel an einem separaten Termin vor der eigentlichen Behandlung.

Vorbereitung und Betäubung

Sie liegen für den Eingriff in der Regel auf dem Bauch. Die Einstichstellen der Haut werden örtlich betäubt; eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Bei Bedarf kann zusätzlich eine leichte Sedierung zur Entspannung gegeben werden.

Sondenplatzierung unter Bildkontrolle

Unter Röntgendurchleuchtung wird eine dünne Sonde durch die Haut bis an die zuvor bei der Testblockade als schmerzauslösend identifizierten lateralen Äste im Bereich des Kreuzbeins herangeführt. Da diese Nervenäste über mehrere Stellen und Tiefen entlang des ISG verlaufen, werden meist mehrere Punkte nacheinander angesteuert und behandelt.

Thermische Ausschaltung der Nervenäste

Nach korrekter Lagekontrolle wird über die Sonde ein hochfrequenter Wechselstrom appliziert, der an der Sondenspitze gezielt Wärme erzeugt. Diese thermische Einwirkung unterbricht vorübergehend die Fähigkeit des Nervenastes, Schmerzsignale weiterzuleiten. Dieser Schritt wird für jeden zu behandelnden Punkt einzeln wiederholt, bis alle zuvor identifizierten Nervenäste behandelt sind.

Abschluss

Nach Entfernung der Sonden werden die kleinen Einstichstellen mit einem Pflaster versorgt. Nähte sind nicht erforderlich. Sie können den Eingriffsraum nach kurzer Nachbeobachtung noch am selben Tag wieder verlassen.

Indikation

Wann ist eine Radiofrequenzdenervation des ISG sinnvoll?

Die Radiofrequenzdenervation des ISG kommt für Patienten mit chronischen, vom Iliosakralgelenk ausgehenden Rückenschmerzen infrage, bei denen konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, Rumpfstabilisation und medikamentöse Schmerztherapie nicht zu einer ausreichenden Besserung geführt haben. Bildgebende Verfahren wie Röntgen oder MRT liefern beim ISG-Schmerz keinen zuverlässigen Hinweis darauf, ob eine Denervation wirksam sein wird, die Indikation stützt sich daher wesentlich auf die klinische Symptomatik und, entscheidend, auf das Ansprechen auf diagnostische Testblockaden.

Anders als am Facettengelenk erfolgt die Vortestung am ISG meist nicht über eine einzelne Blockade, sondern über mehrere Blockaden der lateralen Äste an verschiedenen Stellen und Tiefen entlang des Gelenkverlaufs (sogenannte Multi-site-multi-depth-Blockaden der lateralen Äste), da die sensorische Versorgung des ISG über mehrere Segmente und Verlaufsvarianten verteilt ist. Erst wenn diese Testblockaden zu einer deutlichen, vorübergehenden Schmerzlinderung führen, kommt die eigentliche Denervation als nächster Schritt infrage.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach dem Eingriff?

Da der Eingriff ambulant und minimalinvasiv erfolgt, können Sie sich meist bereits am selben Tag wieder normal bewegen.

An den kleinen Einstichstellen können vorübergehende Schmerzen oder ein leichter Bluterguss auftreten, die in der Regel innerhalb weniger Tage abklingen. Wir empfehlen, den Tag des Eingriffs selbst noch ruhig anzugehen und stärkere körperliche Belastung erst in den Folgetagen wieder aufzunehmen. Duschen ist meist am Folgetag möglich, sobald die Einstichstellen trocken und reizlos sind. Eine gesonderte Wundkontrolle ist bei diesem minimalinvasiven Verfahren in der Regel nicht notwendig.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es in den Wochen danach weiter?

  • Erste Tage

    Abklingende Reizung an den Einstichstellen

    Leichte Schmerzen oder ein Bluterguss an den Einstichstellen sind normal und bilden sich meist rasch zurück. Alltagsbewegungen sind erlaubt, stärkere sportliche Belastung sollte noch geschont werden.

  • Erste 1–2 Wochen

    Mögliche vorübergehende Beschwerdezunahme

    Manche Patienten berichten in den ersten Tagen über eine leichte, vorübergehende Reizung des behandelten Bereichs, bevor die eigentliche schmerzlindernde Wirkung einsetzt.

  • Nach etwa 2–4 Wochen

    Einsetzende Schmerzlinderung

    Bei den Patienten, die auf das Verfahren ansprechen, zeigt sich in diesem Zeitraum meist die spürbare Besserung der ISG-Schmerzen im Alltag.

  • Über mehrere Monate

    Anhaltende Wirkung

    Bei Patienten, die auf die Behandlung ansprechen, hält die schmerzlindernde Wirkung in der Regel über mehrere Monate an und kann sich, abhängig vom individuellen Verlauf, auf insgesamt etwa 2–3 Jahre erstrecken.

  • Langfristig

    Nachlassende Wirkung und mögliche Wiederholung

    Da sich die behandelten Nervenäste im Verlauf regenerieren können, lässt die Wirkung, häufig nach etwa 2–3 Jahren, mit der Zeit nach. Bei erneuten Beschwerden kann eine Wiederholung des Verfahrens besprochen werden, da der Regenerationsmechanismus der Nervenäste bekannt ist, ist dafür in der Regel keine erneute Testblockade erforderlich.

Erwartungen

Welches Ergebnis kann ich erwarten?

Behebt die Denervation die Ursache meiner ISG-Beschwerden? Nein. Das Verfahren verändert die Gelenkstruktur nicht, sondern unterbricht die Weiterleitung der Schmerzsignale über die behandelten Nervenäste.

Das Ansprechen ist individuell unterschiedlich und lässt sich vorab nicht mit Sicherheit vorhersagen. Das Ergebnis Ihrer diagnostischen Testblockaden vor dem Eingriff liefert dabei den wichtigsten Anhaltspunkt für die persönliche Erfolgsaussicht. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, wir besprechen Ihre individuelle Prognose anhand Ihres Befunds und des Ergebnisses der Testblockaden offen mit Ihnen.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Risiken

Da es sich um eine minimalinvasive Punktion und keine offene Operation handelt, sind die Risiken insgesamt gering. Wie bei jeder Punktion besteht ein geringes Infektionsrisiko an den Einstichstellen.

Spezifische Risiken des Verfahrens

An den Einstichstellen können vorübergehende Schmerzen oder ein Bluterguss auftreten, die üblicherweise von selbst abklingen. Sehr selten kommt es zu einer Reizung eines behandelten oder benachbarten Nervenastes mit vorübergehendem Taubheitsgefühl im zugehörigen Hautareal im Bereich des unteren Rückens oder Gesäßes.

Langfristige Aspekte

Da sich die behandelten Nervenäste regenerieren können, ist die Wirkung nicht dauerhaft. Dies ist kein Risiko im eigentlichen Sinne, sollte Ihnen aber vor dem Eingriff bewusst sein, damit Sie realistische Erwartungen an das Verfahren haben.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach dem Eingriff achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah melden

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns vorstellen, statt abzuwarten.

  • Fieber
  • Zunehmende Rötung, Überwärmung, Nässen oder Schwellung an einer Einstichstelle
  • Ungewöhnlich starke oder über Tage zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Neu auftretendes, deutliches oder anhaltendes Taubheitsgefühl im Bereich des unteren Rückens, Gesäßes oder Beins

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns vorstellen, statt abzuwarten.

Bei MedArtes

Radiofrequenzdenervation des ISG bei MedArtes

Ob eine Radiofrequenzdenervation des ISG für Sie eine sinnvolle Option darstellt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, Ihrer bisherigen Behandlungen und des Ergebnisses diagnostischer Testblockaden der lateralen Äste. Die Sondenplatzierung erfolgt bei uns unter Röntgendurchleuchtung, unter anderem mit dem Radiofrequenzsystem des Herstellers Avanos. Wir besprechen mit Ihnen offen, welche realistischen Erwartungen an das Verfahren angemessen sind, ob im individuellen Fall eher die Denervation oder eine intraartikuläre ISG-Infiltration sinnvoller erscheint, und wie sich die Behandlung in Ihr Gesamtbehandlungskonzept einfügt.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur Radiofrequenzdenervation des ISG

Warum werden vor der Denervation mehrere Testblockaden benötigt?

Die lateralen Äste, die das ISG sensorisch versorgen, verlaufen über mehrere Stellen und Tiefen entlang des Gelenks. Um die Erfolgsaussicht der späteren Denervation realistisch einzuschätzen, werden diese Äste deshalb an mehreren Punkten getestet, statt nur an einer einzelnen Stelle.

Heilt das Verfahren mein ISG-Syndrom?

Nein. Die Denervation verändert das Gelenk selbst nicht, sondern unterbricht die Weiterleitung der Schmerzsignale über die behandelten Nervenäste. Die zugrunde liegende Ursache im ISG besteht weiterhin, das Verfahren behandelt gezielt den Schmerz, nicht dessen strukturelle Ursache.

Kommt für mich statt der Denervation auch eine Infiltration infrage?

Möglicherweise. Bei manchen Patienten kann eine intraartikuläre Infiltration des ISG als primäre Behandlungsoption sinnvoller sein als eine Nervenverödung. Ob dies bei Ihnen der Fall ist, besprechen wir anhand Ihres Befunds, Details zur Infiltration finden Sie auf unserer ISG-Syndrom-Seite.

Wie lange hält die Wirkung an?

Typischerweise 2–3 Jahre, individuell unterschiedlich. Da sich die behandelten Nervenäste im Verlauf regenerieren können, lässt die schmerzlindernde Wirkung danach häufig nach.

Kann ich das Verfahren wiederholen?

Ja. Wenn die Wirkung nachlässt und erneut Beschwerden auftreten, kann eine wiederholte Denervation erwogen werden, in der Regel ohne erneute Testblockade, da der Regenerationsmechanismus der Nervenäste bekannt ist.

Bin ich danach schmerzfrei?

Das lässt sich nicht garantieren. Die Leitlinie definiert einen Behandlungserfolg als mindestens 50 Prozent Schmerzreduktion über mindestens drei Monate, das Ansprechen ist aber individuell unterschiedlich. Manche Patienten profitieren deutlich, andere weniger oder gar nicht.

Warum wird teils von gekühlter Radiofrequenz gesprochen?

Manche Radiofrequenzsysteme kühlen die Elektrodenspitze während der Anwendung von innen mit Wasser. Der Hersteller eines solchen Systems gibt an, dass durch die Kühlung eine größere Läsion um die Sondenspitze entstehen kann als bei konventioneller, nicht gekühlter Technik. Dies ist eine Herstellerangabe und keine unabhängig bestätigte Garantie für ein besseres persönliches Ergebnis. Ob im Einzelfall ein konventionelles oder ein gekühltes System zum Einsatz kommt, besprechen wir mit Ihnen individuell.

Ist der Eingriff schmerzhaft?

Die Einstichstellen werden örtlich betäubt, sodass der Eingriff für die meisten Patienten gut erträglich ist. Ein kurzzeitiges Druck- oder Wärmegefühl während der Anwendung ist möglich.

Muss ich danach ins Krankenhaus?

Nein, der Eingriff wird ambulant durchgeführt. Sie können den Eingriffsraum nach kurzer Nachbeobachtung noch am selben Tag wieder verlassen.