ISG-Syndrom
Beim ISG-Syndrom gehen die Schmerzen vom Iliosakralgelenk aus, der Verbindung zwischen Kreuzbein und Becken. Die Beschwerden ähneln oft denen einer lumbalen Ursache und werden deshalb nicht immer sofort erkannt. Die meisten Fälle lassen sich konservativ oder mit gezielten Infiltrationen gut behandeln. Wir erklären, wie ein ISG-Syndrom erkannt und von anderen Rückenschmerzursachen abgegrenzt wird.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Typisch ist ein tief sitzender Schmerz im unteren Rücken oder Gesäß, meist einseitig betont, der beim Aufstehen, Treppensteigen, Drehen im Bett oder langem Sitzen zunimmt.

Der Schmerz kann in den Oberschenkel, seltener bis ins Knie ausstrahlen, was ihn mitunter schwer von einer Ischialgie durch eine lumbale Ursache unterscheidbar macht. Ein Kribbeln oder eine echte Lähmung sind beim ISG-Syndrom untypisch und sprechen eher für eine andere Ursache.
Was steckt dahinter?
Anatomie und Entstehung
Das Iliosakralgelenk verbindet das Kreuzbein mit dem Beckenknochen und überträgt Kräfte zwischen Wirbelsäule und Beinen. Es ist nur gering beweglich, kann aber durch Überlastung, ungewohnte Belastung, Fehlstellungen oder eine Reizung der umgebenden Bänder und Muskeln schmerzhaft werden.
Risikofaktoren
Begünstigend wirken ungleichmäßige Beckenbelastung, Schwangerschaft und Geburt (durch die hormonell bedingte Bandlockerung), einseitige sportliche Belastung sowie Beinlängenunterschiede.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Klinische Untersuchung
Eine Reihe spezifischer Provokationstests (z. B. Kompressions- und Distraktionstests, Patrick-Test) prüft, ob eine Bewegung oder Belastung des Gelenks die typischen Schmerzen auslöst. Die Kombination mehrerer positiver Tests erhöht die diagnostische Sicherheit.
Bildgebung
Röntgen oder MRT zeigen das ISG-Syndrom selbst meist nicht direkt, können aber andere Ursachen wie eine entzündliche Gelenkerkrankung oder eine lumbale Ursache ausschließen.
Diagnostische Infiltration
Bei unklarem Befund gilt eine gezielte, bildgesteuerte Infiltration des ISG mit einem örtlichen Betäubungsmittel als aussagekräftigste Methode: Bessern sich die Beschwerden deutlich, spricht dies für das ISG als Schmerzursache.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden der Wirbelsäule lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Manuelle Therapie
Gezielte, durch geschulte Hände ausgeführte Techniken zur Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerzlinderung.
ISG-Gurt oder Orthese
Eine stabilisierende Bandage kann vorübergehend Erleichterung bringen, insbesondere in der Schwangerschaft.
Physikalische Medizin
Zur optimalen Regeneration nutzen wir gezielt die Stoßwellentherapie und High-Power-Lasertherapie: Die Stoßwelle regt die Durchblutung an, bricht Verkalkungen auf und aktiviert die Zellheilung, während der Laser auf Zellebene die Regeneration unterstützt.
Stoßwellentherapie
Fokussierte und radiale Stoßwelle, ergänzend bei myofaszialen Schmerzanteilen der Rückenmuskulatur einsetzbar.
Mehr über die Stoßwellentherapie erfahren →Ergänzende TherapieHighpower-Lasertherapie (HILT)
Kann begleitend bei muskulären Verspannungen eingesetzt werden, als Ergänzung im Gesamtkonzept, nicht als alleiniger Therapiebaustein.
Mehr über die Highpower-Lasertherapie erfahren →Interventionelle Behandlungsmöglichkeiten
Wenn konservative Maßnahmen allein nicht ausreichend helfen, können gezielte, bildgesteuerte Verfahren eingesetzt werden.
Radiofrequenztherapie
Liegen dauerhaft tieflumbale Schmerzen vor, können schmerzleitende Nervenäste gezielt verödet werden, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichend geholfen haben.
Mehr über die Radiofrequenztherapie erfahren →Sinnvolle BehandlungsoptionISG-Infiltration
Eine gezielte Injektion in das Gelenk dient zugleich der Diagnosesicherung und kann die Beschwerden für einen begrenzten Zeitraum lindern.
Mehr über die interventionelle Schmerztherapie erfahren →Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
PRP, körpereigenes Plättchenplasma
Aus dem eigenen Blut gewonnenes plättchenreiches Plasma wird gezielt appliziert. Ziel ist es, über die enthaltenen Wachstumsfaktoren entzündungsmodulierende und regenerative Prozesse an der betroffenen Struktur zu unterstützen.
Mehr über die PRP, körpereigenes Plättchenplasma erfahren →Innovative BehandlungsstrategieOrthogen one
Aus Ihrem eigenen Blut wird ein Serum mit erhöhter Konzentration entzündungshemmender Botenstoffe gewonnen und gezielt injiziert. Ziel ist es, überschießende Entzündungsprozesse an der betroffenen Struktur abzuschwächen und so die Beschwerden zu lindern.
Mehr über die orthogen one erfahren →Wann rasch zum Arzt?
Bei diesen Anzeichen ist eine zeitnahe Abklärung wichtig
Ein ISG-Syndrom ist in aller Regel kein Notfall. Eine rasche Abklärung ist jedoch sinnvoll bei:
- Neu auftretenden Lähmungserscheinungen oder relevantem Kraftverlust im Bein
- Neu aufgetretenen Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Fieber, starkem Krankheitsgefühl oder Schmerzen kurz nach einer Geburt oder einem größeren Beckentrauma
Diese Anzeichen können auf eine andere, ernstere Ursache hindeuten und sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich das ISG-Syndrom von einem Bandscheibenvorfall?
Beide können ähnliche, ins Bein ausstrahlende Schmerzen verursachen. Neurologische Ausfälle wie Kraftverlust oder Taubheitsgefühl sprechen eher für eine lumbale Ursache; ein punktueller Druckschmerz über dem ISG und positive Provokationstests eher für das ISG.
Muss ein ISG-Syndrom operiert werden?
Nur sehr selten. Die allermeisten Fälle werden erfolgreich konservativ oder mit gezielten Infiltrationen behandelt.
Ist ein ISG-Syndrom in der Schwangerschaft normal?
Beschwerden im Bereich des ISG treten in der Schwangerschaft häufiger auf und bilden sich nach der Geburt meist zurück.
Hilft ein ISG-Gurt dauerhaft?
Ein Gurt kann vorübergehend entlasten, ersetzt aber keine gezielte Stabilisierung der Muskulatur durch Training.
Wie sicher ist die Diagnose ISG-Syndrom?
Da kein einzelner Test allein beweisend ist, stützt sich die Diagnose auf die Kombination klinischer Tests und, bei Unklarheit, auf eine diagnostische Infiltration.