Wirbelgleiten (Spondylolisthese)
Beim Wirbelgleiten hat sich ein Wirbelkörper gegenüber dem darunterliegenden nach vorne verschoben. Die Beschwerden reichen von unauffälligen Zufallsbefunden bis zu Rücken- und Beinschmerzen. Viele Fälle lassen sich konservativ behandeln, bei stärkerer Ausprägung kann eine Operation sinnvoll sein. Wir erklären, wie Wirbelgleiten entsteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Ein geringes Wirbelgleiten verursacht häufig gar keine oder nur milde, belastungsabhängige Rückenschmerzen und wird nicht selten zufällig entdeckt.

Bei stärkerem Gleiten oder begleitender Einengung des Wirbelkanals können zusätzlich Beinschmerzen, ein Schweregefühl beim Gehen (ähnlich wie bei einer Spinalkanalstenose) oder Kribbeln und Taubheitsgefühl auftreten. Manche Patienten berichten über ein Instabilitätsgefühl im unteren Rücken, besonders bei Belastungswechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen.
Was steckt dahinter?
Wie entsteht das Gleiten?
Am häufigsten entsteht Wirbelgleiten im Erwachsenenalter durch einen degenerativen Verschleiß der Facettengelenke und der Bandscheibe, die dem Wirbel normalerweise Halt geben (degenerative Spondylolisthese). Seltener liegt eine angeborene oder in der Jugend erworbene Unterbrechung eines kleinen Knochenbogens zugrunde (isthmische Spondylolisthese), die sich häufig bei sportlich aktiven Jugendlichen zeigt.
Einteilung nach Schweregrad
Das Ausmaß des Gleitens wird nach der Meyerding-Klassifikation in vier Grade eingeteilt, je nachdem wie weit der Wirbelkörper gegenüber dem darunterliegenden verschoben ist. Ein geringes Gleiten (Grad I) verursacht häufig kaum Beschwerden, während ein ausgeprägteres Gleiten eher zu Instabilität und begleitender Nerveneinengung führen kann.
Ursachen und Risikofaktoren
Begünstigende Faktoren sind fortschreitender altersbedingter Verschleiß, eine anlagebedingte Schwäche der Wirbelbögen sowie bei Jugendlichen wiederholte Überstreckungsbelastungen, etwa bei bestimmten Sportarten.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Anamnese und körperliche Untersuchung
Neben der Beschwerdeschilderung wird geprüft, ob ein Instabilitätsgefühl, eine Ausstrahlung ins Bein oder neurologische Ausfälle bestehen.
Bildgebung
Ein Röntgenbild der Lendenwirbelsäule, idealerweise mit Funktionsaufnahmen in Vor- und Rückneigung, zeigt das Ausmaß des Gleitens und ob eine Instabilität vorliegt. Eine MRT ist ergänzend sinnvoll, wenn zusätzlich Beinschmerzen oder neurologische Beschwerden bestehen, um eine begleitende Nervenwurzel- oder Spinalkanaleinengung zu beurteilen.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden der Wirbelsäule lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Physikalische Therapie
Wärmeanwendungen und manuelle Verfahren können begleitend eingesetzt werden.
Mieder oder Orthese
In ausgewählten Fällen, insbesondere bei Jugendlichen mit frischer Spondylolyse, kann eine vorübergehende Stützung sinnvoll sein.
Interventionelle Behandlungsmöglichkeiten
Wenn konservative Maßnahmen allein nicht ausreichend helfen, können gezielte, bildgesteuerte Verfahren eingesetzt werden.
Periradikuläre Therapie (PRT)
Gezielte Injektion an die gereizte Nervenwurzel, etwa bei einem Bandscheibenvorfall mit Ausstrahlung ins Bein oder den Arm.
Mehr über die periradikuläre Therapie erfahren →Sinnvolle BehandlungsoptionFacettengelenksinfiltration
Injektionen an die kleinen Wirbelgelenke bei Verdacht, dass diese die Schmerzquelle sind.
Mehr über die Facettengelenksinfiltration erfahren →Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Perkutane Fusionsoperation
Minimal-invasive Stabilisierung mit Schrauben über kleine Hautschnitte, meist mit begleitender Dekompression.
Offene Fusionsoperation
Offene Stabilisierung mit Pedikelschrauben und Cage, meist mit Dekompression kombiniert.
Wann rasch zum Arzt?
Bei diesen Anzeichen sollten Sie sofort einen Arzt aufsuchen
Wirbelgleiten ist in den allermeisten Fällen kein Notfall. Bestimmte Warnzeichen erfordern jedoch eine rasche ärztliche Abklärung:
- Neu auftretende oder zunehmende Lähmung eines oder beider Beine
- Neu aufgetretene Störungen beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- Taubheitsgefühl im Bereich von Gesäß, Damm oder Genitalbereich ("Reithosenanästhesie")
Diese Kombination von Beschwerden kann auf ein Cauda-equina-Syndrom hindeuten und muss zeitnah, im Zweifel in einer Notaufnahme, abgeklärt werden.
Ihr Spezialist für die Wirbelsäule
Häufig gestellte Fragen
Nimmt Wirbelgleiten mit der Zeit automatisch zu?
Nicht zwingend. Bei vielen Patienten bleibt das Gleiten über Jahre stabil, insbesondere bei geringem Ausmaß und guter Rumpfmuskulatur.
Darf ich mit Wirbelgleiten Sport treiben?
In der Regel ja. Sportarten mit starker, wiederholter Überstreckung des unteren Rückens sollten individuell besprochen werden, insbesondere bei Jugendlichen mit frischer Spondylolyse.
Muss Wirbelgleiten immer operiert werden?
Nein. Die meisten Fälle mit geringem Gleiten werden erfolgreich konservativ behandelt. Eine Operation wird vor allem bei Instabilität oder neurologischen Beschwerden erwogen.
Wie unterscheidet sich Wirbelgleiten von einer Spinalkanalstenose?
Wirbelgleiten beschreibt die Verschiebung eines Wirbelkörpers und kann eine Spinalkanalstenose mit verursachen oder begleiten. Beide Erkrankungen können daher gemeinsam auftreten.
Wie lange dauert die Genesung nach einer Fusionsoperation?
Die Mobilisation erfolgt meist rasch, die vollständige knöcherne Ausheilung nimmt jedoch mehrere Monate in Anspruch. Details finden Sie auf den jeweiligen Verfahrensseiten.