Rückfußarthrodese
Operative Versteifung des unteren Sprunggelenks bei fortgeschrittener USG-Arthrose
Ziel der Rückfußarthrodese ist es, den durch Arthrose zerstörten Knorpel im unteren Sprunggelenk, bei Bedarf auch in benachbarten Rückfußgelenken, durch eine dauerhafte knöcherne Versteifung zu ersetzen und so den Arthroseschmerz zu beseitigen. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft, welche Verfahrensvarianten es gibt und was in den Wochen und Monaten danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer USG-Arthrose-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Etwa 60–90 Minuten bei einer isolierten subtalaren Arthrodese, bei einer Doppel- oder Triple-Arthrodese entsprechend länger.
Narkose
Meist eine Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine periphere Nervenblockade des Beins zur Schmerzkontrolle nach der Operation.
Krankenhausaufenthalt
In der Regel stationär für einige Tage.
Mobilisation
Ab dem ersten oder zweiten Tag mit Gehstützen, zunächst ohne Belastung des operierten Fußes.
Belastung
Zunächst vollständige Entlastung für mehrere Wochen, damit die knöcherne Durchbauung ungestört ablaufen kann.
Ruhigstellung
Unterschenkelgips oder abnehmbare Orthese für insgesamt etwa 8–12 Wochen.
Rehabilitation
Nach Freigabe der Vollbelastung häufig begleitende ambulante Physiotherapie zum Wiederaufbau von Gangbild und Muskulatur.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit häufig ca. 8–12 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 3–4 Monate (stehende/gehende Tätigkeit).
Autofahren
In der Regel erst nach Erreichen der Vollbelastung, häufig nach etwa 10–12 Wochen.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Rückenlage oder leichter Seitlage gelagert, je nachdem, ob zusätzlich ein Nachbargelenk mitversteift wird. Der Eingriff erfolgt meist in Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine periphere Nervenblockade des Beins zur Schmerzkontrolle nach der Operation. Eine Blutsperre am Oberschenkel sorgt während der Operation für übersichtliche Sichtverhältnisse.
Zugang
Je nach geplantem Verfahren erfolgt der Zugang über einen oder zwei Hautschnitte am Außen- und/oder Innenrand des Rückfußes. Bereits bestehende Voroperationsnarben, etwa nach einer früheren Kalkaneusfraktur, werden bei der Schnittführung nach Möglichkeit berücksichtigt.
Der eigentliche Eingriff
Der Operateur legt das oder die zu versteifenden Gelenke frei und entfernt den verbliebenen, verschlissenen Knorpel vollständig von beiden Gelenkflächen. Die freigelegten Knochenflächen werden angefrischt, damit sie später knöchern zusammenwachsen können. Bei größeren Knochendefekten, etwa nach einer Kalkaneusfraktur mit Substanzverlust, kann zusätzlich Knochenmaterial eingebracht werden, um die Durchbauung zu unterstützen. Anschließend werden die Gelenkflächen in einer möglichst funktionsgünstigen Stellung des Rückfußes zueinander ausgerichtet und mit ein oder mehreren Schrauben dauerhaft fixiert.
Abschluss
Nach röntgenologischer Kontrolle der Schraubenlage und der Rückfußstellung wird die Wunde schichtweise verschlossen. Der Fuß wird abschließend in einer gepolsterten Schiene oder einem Unterschenkelgips ruhiggestellt, um die beginnende knöcherne Heilung zu schützen.
Gibt es unterschiedliche Verfahrensvarianten?
Isolierte subtalare Arthrodese
Versteifung ausschließlich des unteren Sprunggelenks (Subtalargelenk). Geeignet, wenn die Arthrose auf dieses eine Gelenk beschränkt ist, etwa nach einer isolierten Schädigung durch eine frühere Kalkaneusfraktur.
Doppelarthrodese
Zusätzliche Versteifung eines zweiten Rückfußgelenks, meist des Talonavikulargelenks. Kommt infrage, wenn die Arthrose auf zwei benachbarte Rückfußgelenke übergegriffen hat.
Triple-Arthrodese
Versteifung aller drei großen Rückfußgelenke: unteres Sprunggelenk, Talonavikular- und Kalkaneokuboidgelenk. Wird bei ausgedehnter Arthrose mehrerer Rückfußgelenke oder bei schweren Fehlstellungen des gesamten Rückfußes eingesetzt.
Welches der drei Verfahren für Sie geeignet ist, legen wir anhand Ihres Röntgen- und CT-Befunds gemeinsam mit Ihnen fest. Unabhängig vom Ausmaß der Versteifung bleibt bei allen drei Verfahren das obere Sprunggelenk unangetastet: Da dieses für das Heben und Senken des Fußes zuständig ist, bleibt die Abrollbewegung beim Gehen auf ebenem Untergrund in aller Regel erhalten. Das unterscheidet die Rückfußarthrodese wesentlich von einer Sprunggelenksarthrodese des oberen Sprunggelenks, bei der genau diese Bewegung verloren geht.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Der operierte Fuß muss in den ersten Wochen konsequent entlastet werden, damit die knöcherne Durchbauung der versteiften Gelenke ungestört beginnen kann.
Der Wundschmerz in den ersten Tagen wird gut mit Schmerzmitteln kontrolliert; Hochlagern und Kühlen helfen zusätzlich, die Schwellung gering zu halten. Der Krankenhausaufenthalt umfasst in der Regel einige Tage, in denen Sie den sicheren Umgang mit Gehstützen ohne Belastung des operierten Fußes erlernen. Physiotherapie zur Thromboseprophylaxe sowie zur Mobilisation der nicht ruhiggestellten Gelenke wird bereits während des stationären Aufenthalts begonnen.
Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa zwei Wochen. Regelmäßige Röntgenkontrollen begleiten den weiteren Heilungsverlauf und geben vor, wann die Ruhigstellung angepasst und die Belastung schrittweise gesteigert werden kann.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Stationäre Aufnahme, Hochlagern und Kühlen
Der Fuß wird in der Schiene hochgelagert und gekühlt, um die Schwellung zu begrenzen. Der Umgang mit Gehstützen unter vollständiger Entlastung wird eingeübt.
- Nach etwa 2 Wochen
Wundkontrolle und Anlage des Gipses
Nach der Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung wird häufig auf einen zirkulären Unterschenkelgips oder eine abnehmbare Orthese gewechselt.
- Nach etwa 6 Wochen
Erste Röntgenkontrolle der knöchernen Durchbauung
Zeigt die Röntgenkontrolle eine ausreichend fortgeschrittene Heilung, kann die Belastung des Fußes schrittweise gesteigert werden.
- Nach 10–12 Wochen
Übergang zur Vollbelastung
Bei regelrechtem Heilungsverlauf ist meist eine Vollbelastung ohne Gehstützen möglich, zunächst noch in stabilem Schuhwerk.
- Nach 4–6 Monaten
Abgeschlossene knöcherne Konsolidierung
Die endgültige knöcherne Durchbauung der versteiften Gelenke ist in der Regel erreicht; die volle Belastbarkeit im Alltag stellt sich meist in diesem Zeitraum ein.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
In der Regel erst nach Erreichen der Vollbelastung, abhängig vom operierten Fuß.
Büroarbeit
Mit Möglichkeit zur Hochlagerung, teils bereits während der Entlastungsphase mit Gehstützen.
Stehende/gehende Tätigkeit
Abhängig vom Fortschritt der knöchernen Durchbauung und der beruflichen Belastung.
Normale Schuhe tragen
Nach Abschluss der Ruhigstellung und ausreichender knöcherner Heilung.
Fahrrad fahren
Zunächst auf ebenem Untergrund und mit reduzierter Kraftübertragung über den Rückfuß.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und Rücksprache, meist noch vor vollständiger Belastungsfreigabe.
Wandern
Gehstrecke und Untergrund werden entsprechend dem Heilungsverlauf schrittweise gesteigert.
Joggen / Laufsport
Aufgrund der versteiften Rückfußgelenke sind stoßbelastende Sportarten dauerhaft nur eingeschränkt oder gar nicht mehr empfehlenswert.
Reisen
Mit Möglichkeit zur Hochlagerung; längere Reisen besser erst nach Erreichen der Vollbelastung.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Die meisten Patienten berichten nach einer Rückfußarthrodese von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer wiedergewonnenen Belastbarkeit im Alltag, sobald die knöcherne Heilung abgeschlossen ist.
Die seitliche Beweglichkeit des Rückfußes geht durch die Versteifung dauerhaft verloren, das ist beabsichtigt, da genau diese Bewegung zuvor die Arthroseschmerzen verursacht hat. Die Auf- und Abwärtsbewegung des Fußes bleibt über das obere Sprunggelenk erhalten, sodass das Abrollen beim Gehen auf ebenem Untergrund bei den meisten Patienten gut möglich ist. Auf stark unebenem Gelände, bei schnellen Richtungswechseln oder bei sportlichen Aktivitäten mit hoher Stoßbelastung kann sich die fehlende Rückfußbeweglichkeit dagegen bemerkbar machen.
Das Ergebnis wird unter anderem vom Ausmaß der Versteifung (isoliert, doppelt oder dreifach), dem Zustand der Nachbargelenke, Begleitfaktoren wie Diabetes oder Nikotinkonsum sowie der konsequenten Einhaltung der Entlastungsphase beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Aufgrund der mehrwöchigen Ruhigstellung und Entlastung ist das Thromboserisiko bei diesem Eingriff höher als bei kleineren Fußoperationen, weshalb häufig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe über die gesamte Entlastungsphase erfolgt.
Spezifische Risiken dieser Operation
Die wichtigste spezifische Komplikation ist die Pseudarthrose, das Ausbleiben der knöchernen Durchbauung an einem oder mehreren der versteiften Gelenke. Sie kann unter Umständen eine erneute Operation erforderlich machen und tritt häufiger bei Nikotinkonsum, Diabetes oder Durchblutungsstörungen auf. Da die Weichteile über dem Rückfuß, insbesondere nach einer vorausgegangenen Kalkaneusfraktur, oft vorgeschädigt sind, besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Wundheilungsstörungen. Eine vorübergehende oder in seltenen Fällen anhaltende Taubheit oder Kribbeln durch Reizung kleiner Hautnerven, etwa des Nervus suralis, ist möglich. Die eingesetzten Schrauben verursachen in der Regel keine Beschwerden, können in Einzelfällen bei Druckempfindlichkeit später in einem kleinen Zweiteingriff entfernt werden.
Langfristige Risiken
Da die versteiften Gelenke keine Bewegung mehr übernehmen, verlagert sich die Beweglichkeit im Lauf der Jahre verstärkt auf benachbarte Gelenke wie das obere Sprunggelenk oder die übrigen Fußwurzelgelenke. Diese sogenannte Anschlussarthrose kann sich Jahre nach der Operation entwickeln und in Einzelfällen eine weitere Versteifung notwendig machen.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende oder zunehmende Taubheit oder Kribbeln am Fuß
- Verrutschen von Gips oder Orthese mit sichtbar veränderter Fußstellung
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Rückfußarthrodese bei MedArtes
Am Anfang steht bei uns immer eine genaue Diagnose. Anhand Ihres Röntgen- und CT-Befunds legen wir gemeinsam mit Ihnen fest, ob eine isolierte subtalare Arthrodese ausreicht oder ob zusätzliche Rückfußgelenke einbezogen werden sollten. Als Fußzentrum Ostbayern der Deutschen Assoziation für Fuß und Sprunggelenk e.V. (D.A.F.) begleiten wir Sie von der Operationsplanung über den Eingriff bis zur abgeschlossenen Nachbehandlung.
Ihre Spezialisten für Fuß & Sprunggelenk
Häufig gestellte Fragen zur Rückfußarthrodese
Ist eine Rückfußarthrodese dasselbe wie eine Sprunggelenksarthrodese?
Nein. Bei der Rückfußarthrodese wird das untere Sprunggelenk, und gegebenenfalls Nachbargelenke, versteift, das für die seitliche Beweglichkeit des Fußes zuständig ist. Bei einer Sprunggelenksarthrodese des oberen Sprunggelenks geht dagegen die Auf- und Abwärtsbewegung des Fußes verloren. Beide Eingriffe betreffen unterschiedliche Gelenke mit unterschiedlichen Auswirkungen auf den Gang.
Kann ich nach der Operation noch normal abrollen?
Ja, da das obere Sprunggelenk unangetastet bleibt, ist die Auf- und Abwärtsbewegung des Fußes weiterhin möglich. Das Abrollen beim Gehen auf ebenem Untergrund gelingt den meisten Patienten gut.
Wie lange muss ich den Fuß komplett entlasten?
In der Regel für mehrere Wochen, bis eine Röntgenkontrolle eine ausreichende knöcherne Durchbauung zeigt. Die genaue Dauer legt Ihr Operateur individuell anhand des Heilungsverlaufs fest.
Was passiert, wenn die Knochen nicht zusammenwachsen?
Bleibt die knöcherne Durchbauung aus (Pseudarthrose), bestehen die Beschwerden häufig fort. In diesen Fällen kann eine erneute Operation mit Anfrischen der Knochenflächen, gegebenenfalls unter Verwendung von Knochenmaterial, notwendig werden.
Werden die Schrauben wieder entfernt?
In der Regel nicht. Nur bei störender Druckempfindlichkeit im Einzelfall kann eine spätere Entfernung sinnvoll sein.
Kann durch die Versteifung Arthrose in anderen Gelenken entstehen?
Da benachbarte Gelenke die fehlende Beweglichkeit des versteiften Gelenks teilweise ausgleichen müssen, kann sich dort im Lauf der Jahre eine sogenannte Anschlussarthrose entwickeln. Wie wahrscheinlich das ist, hängt unter anderem vom Ausmaß der Versteifung ab.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach acht bis zwölf Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei stehender oder gehender Tätigkeit kann es drei bis vier Monate dauern.
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Rückfußarthrodese empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.