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Hand & Ellenbogen · Distale Bizepssehnenruptur · Operation

Refixation der distalen Bizepssehne

Operative Wiederanheftung der gerissenen Bizepssehne an ihrem Ansatzpunkt am Unterarmknochen

Ziel der Refixation ist es, die von ihrem Ansatzpunkt am Unterarm abgerissene Bizepssehne wieder an der Tuberositas radii zu befestigen, um Beuge- und vor allem Supinationskraft (Drehkraft des Unterarms) wiederherzustellen. Wichtig zu wissen: Diese Seite behandelt die distale Bizepssehne am Ellenbogen, nicht die lange Bizepssehne an der Schulter, für die es ein eigenes Verfahren (Bizepssehnentenodese) gibt. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, Symptome und die Frage, wann überhaupt operiert werden sollte, finden Sie auf unserer Seite zur distalen Bizepssehnenruptur.

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Kurzüberblick

Die Operation auf einen Blick

Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf hängt von Befund, Zeitpunkt der Operation und gewähltem Zugang ab.

Zeitfenster

Eine Refixation sollte in der Regel innerhalb weniger Wochen nach dem Sehnenriss erfolgen, bevor die Sehne sich weiter zurückzieht und vernarbt.

Narkose

Meist eine Regionalanästhesie (Plexusblockade des Arms), alternativ eine Vollnarkose.

Krankenhausaufenthalt

Häufig ambulant oder kurzstationär mit ein bis zwei Übernachtungen möglich.

Zugang

Ein vorderer Ein-Schnitt-Zugang oder ein zusätzlicher dorsaler Gegenzugang (Zwei-Schnitt-Technik nach Boyd-Anderson).

Ruhigstellung

Zeitlich begrenzte Ruhigstellung bzw. Bewegungslimitierung des Ellenbogens in einer Schiene oder Orthese.

Belastungsaufbau

Angeleiteter, stufenweiser Belastungsaufbau über mehrere Wochen unter physiotherapeutischer Anleitung.

Schwere körperliche Belastung

Erst nach vollständiger Einheilung der Sehne wieder möglich, der Zeitpunkt ist individuell und wird anhand von Kraft und Heilungsverlauf festgelegt.

Arbeitsunfähigkeit

Abhängig von Ihrer Tätigkeit: Bei überwiegend sitzender Arbeit meist deutlich früher möglich als bei körperlich fordernder oder armbelastender Tätigkeit.

Autofahren

Erst wieder, wenn Ellenbogen und Unterarm ausreichend beweglich, belastbar und schmerzfrei geführt werden können.

Indikation

Wann wird diese Operation durchgeführt?

Eine Refixation kommt vor allem bei Patienten mit Kraftbedarf im Alltag, Beruf oder Sport infrage, die eine komplette distale Bizepssehnenruptur erlitten haben.

Anders als bei vielen anderen Sehnenverletzungen zählt hier die Zeit: Nach dem vollständigen Riss zieht sich die Sehne im Muskelbauch zurück und beginnt zu vernarben. Je länger mit der Operation gewartet wird, desto schwieriger kann es werden, sie noch direkt an ihrem ursprünglichen Ansatzpunkt zu befestigen, im ungünstigsten Fall wird dann ein aufwendigeres Rekonstruktionsverfahren mit Sehnenersatzgewebe notwendig. Deshalb wird bei Patienten mit Operationswunsch eine zeitnahe Vorstellung und Planung innerhalb weniger Wochen nach dem Ereignis angestrebt.

Ob im Einzelfall operiert wird, hängt vom individuellen Kraftbedarf, dem Alter und Aktivitätsniveau sowie eventuellen Kontraindikationen gegen eine Operation ab. Details zur Diagnostik, den konservativen Alternativen und der Abwägung Pro und Contra Operation finden Sie auf unserer Seite zur distalen Bizepssehnenruptur.

Der Eingriff

Wie läuft die Operation ab?

Vorbereitung und Narkose

Der Eingriff erfolgt meist in Regionalanästhesie des Arms (Plexusblockade), teils ergänzt durch eine leichte Sedierung, alternativ in Vollnarkose. Während der Operation kommt häufig eine Blutsperre am Oberarm zum Einsatz, um übersichtliche Sichtverhältnisse in der Ellenbeuge zu schaffen.

Zugang

Über einen Hautschnitt in der Ellenbeuge wird die zurückgezogene Sehne aufgesucht und für die weitere Refixation vorbereitet. Je nach Befund und Vorgehen des Operateurs kommt entweder ausschließlich dieser vordere Zugang zum Einsatz (Ein-Schnitt-Technik) oder es wird zusätzlich ein zweiter, dorsaler Gegenzugang am Unterarm angelegt (Zwei-Schnitt-Technik nach Boyd-Anderson), über den die Tuberositas radii von der Rückseite her dargestellt wird.

Der eigentliche Eingriff

Die gerissene Sehne wird mobilisiert, von Vernarbungen befreit und an ihrem ursprünglichen Ansatzpunkt, der Tuberositas radii, wieder befestigt. Zur Fixierung stehen verschiedene Techniken zur Verfügung, etwa Knochenanker, eine transossäre Nahttechnik durch im Knochen angelegte Kanäle oder Button-Systeme, bei denen die Sehne über eine kleine Platte auf der gegenüberliegenden Knochenseite verankert wird. Welche Technik zum Einsatz kommt, richtet sich nach dem intraoperativen Befund und der Erfahrung des Operateurs. Bei früher Operation kann die Sehne meist direkt readaptiert werden; ist sie bereits deutlich zurückgezogen, kann im Einzelfall eine Verlängerung oder Rekonstruktion mit Sehnenersatzgewebe erforderlich werden.

Abschluss

Nach Kontrolle der sicheren Fixierung und der freien Unterarmdrehung wird die Wunde schichtweise verschlossen. Der Arm wird anschließend in einer Schiene oder Orthese ruhiggestellt bzw. in seinem Bewegungsausmaß begrenzt.

Zugangswege

Ein-Schnitt- oder Zwei-Schnitt-Technik?

Beide Zugangswege sind etablierte Verfahren mit jeweils eigenen Abwägungen, keine Technik ist pauschal überlegen.

Ein-Schnitt-Technik (vorderer Zugang)

Die Sehne wird ausschließlich über einen Schnitt in der Ellenbeuge dargestellt und refixiert. Vorteil ist die auf einen Zugang begrenzte Operationswunde; der Zugang liegt in unmittelbarer Nähe wichtiger Nerven- und Gefäßstrukturen, weshalb ein sorgfältiges, anatomiegerechtes Vorgehen besonders wichtig ist.

Zwei-Schnitt-Technik (nach Boyd-Anderson)

Zusätzlich zum vorderen Zugang wird ein zweiter, dorsaler Schnitt am Unterarm angelegt, über den die Tuberositas radii von hinten dargestellt und die Sehne fixiert wird. Dies kann die Übersicht bei der Platzierung der Fixierung verbessern, bedeutet aber eine zweite Operationswunde.

Welcher Zugang und welche Fixationsmethode, Knochenanker, transossäre Naht oder Button-System, im Einzelfall gewählt werden, legen wir anhand des Befunds, der Zeit seit dem Ereignis und der intraoperativen Gegebenheiten fest.

Direkt danach

Was passiert unmittelbar nach der Operation?

Der Arm wird direkt nach der Operation in einer Schiene oder Orthese ruhiggestellt, die das Bewegungsausmaß von Ellenbogen und Unterarm zunächst begrenzt.

Ein Wundschmerz ist normal und wird gut mit Schmerzmitteln kontrolliert; Hochlagern und Kühlen des Arms in den ersten Tagen hilft, die Schwellung gering zu halten. Der Eingriff erfolgt häufig ambulant oder mit kurzem stationärem Aufenthalt. Bereits in dieser frühen Phase beginnt in der Regel eine angeleitete, vorsichtige Bewegungstherapie innerhalb der von der Orthese vorgegebenen Grenzen, um eine Versteifung des Ellenbogens zu vermeiden.

Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach ein bis zwei Wochen. Der weitere Belastungsaufbau wird engmaschig mit Ihnen und der Physiotherapie abgestimmt.

Zeitlicher Verlauf

Wie geht es zu Hause weiter?

  • Erste Wochen

    Ruhigstellung und geführte Bewegung

    Der Arm wird in der Schiene oder Orthese mit begrenztem Bewegungsausmaß geführt. Erste vorsichtige, angeleitete Bewegungsübungen innerhalb der erlaubten Grenzen sollen die Beweglichkeit erhalten, ohne die frisch refixierte Sehne zu überlasten.

  • Mittlere Phase

    Stufenweise Freigabe der Beweglichkeit

    Das Bewegungsausmaß wird schrittweise erweitert, die Orthese nach und nach reduziert. Alltagsbewegungen mit geringer Belastung sind zunehmend möglich.

  • Spätere Phase

    Gezielter Kraftaufbau

    Nach ausreichender Einheilung der Sehne beginnt ein gezieltes, angeleitetes Krafttraining für Beugung und vor allem Unterarmdrehung (Supination), das über mehrere Wochen gesteigert wird.

  • Langfristig

    Rückkehr zu voller Belastung

    Schwere körperliche Belastung, Krafttraining und Sport mit intensiver Armbeanspruchung sind erst nach vollständiger Einheilung der Sehne wieder möglich. Der genaue Zeitpunkt ist individuell verschieden und wird anhand von Kraft, Beweglichkeit und Heilungsverlauf gemeinsam mit Ihnen festgelegt.

Alltag & Sport

Wann kann ich wieder …?

Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen stark vom individuellen Heilungsverlauf sowie der Zeit zwischen Riss und Operation ab.

Bürotätigkeit

meist früh möglich

Sitzende Tätigkeiten ohne Armbelastung sind häufig schon nach kurzer Erholungsphase wieder möglich.

Körperlich fordernde Arbeit

deutlich später

Tätigkeiten mit Heben, Tragen oder repetitiver Armbelastung erst nach ausreichender Kraft und Einheilung.

Auto fahren

nach ausreichender Beweglichkeit

Sobald Ellenbogen und Unterarm sicher und schmerzfrei geführt werden können.

Leichtes Krafttraining

stufenweise im Verlauf

Beginn erst nach ärztlicher und physiotherapeutischer Freigabe, mit langsamer Steigerung.

Heben schwerer Lasten

erst nach vollständiger Einheilung

Da hierbei hohe Zugkräfte auf die Sehne wirken, ist Geduld bis zur vollständigen Belastbarkeit besonders wichtig.

Sport mit Armbeanspruchung

individuell, nach Freigabe

Wurf-, Kraft- oder Kontaktsportarten erst nach vollständiger Einheilung und gezieltem Kraftaufbau.

Erwartungen

Welche Ergebnisse kann ich erwarten?

Ziel der Refixation ist die Wiederherstellung von Beuge- und insbesondere Supinationskraft des Unterarms, die durch den Sehnenriss verloren gegangen ist.

Bei zeitnaher Operation lässt sich die Sehne meist gut an ihrem ursprünglichen Ansatzpunkt befestigen und im weiteren Verlauf belastbar einheilen. Die Beweglichkeit von Ellenbogen und Unterarm kehrt bei konsequenter Nachbehandlung überwiegend gut zurück, auch wenn eine vorübergehende Bewegungseinschränkung in der frühen Heilungsphase normal ist. Wie schnell und vollständig sich Kraft und Beweglichkeit erholen, hängt vom Zeitpunkt der Operation, dem Ausmaß der Sehnenretraktion, der gewählten Fixationstechnik und der individuellen Mitarbeit in der Reha ab.

Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds und des Zeitpunkts des Ereignisses.

Offen informiert

Welche Risiken bestehen?

Allgemeine Operationsrisiken

Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken.

Spezifische Risiken dieser Operation

In der Nähe des Operationsgebiets verlaufen wichtige Nervenstrukturen des Unterarms; eine vorübergehende Nervenirritation im OP-Gebiet ist möglich, in der Literatur wird ein Risiko für den Nervus interosseus posterior insbesondere im Zusammenhang mit dem vorderen Ein-Schnitt-Zugang beschrieben. In den meisten Fällen bildet sich eine solche Reizung im Verlauf zurück, bleibende Nervenschäden sind selten. Trotz sorgfältiger Fixierung kann es zu einer erneuten Ruptur (Re-Ruptur) der refixierten Sehne kommen, insbesondere bei vorzeitiger Vollbelastung. Gelegentlich wird als Komplikation eine heterotope Ossifikation beschrieben, also eine Knochenneubildung im Weichteilgewebe rund um den Ellenbogen, die die Beweglichkeit beeinträchtigen kann.

Langfristige Risiken

Auch nach erfolgreicher Einheilung kann in Einzelfällen eine gewisse Bewegungseinschränkung des Ellenbogens oder eine Restkraftminderung, insbesondere bei der Unterarmdrehung, verbleiben.

Warnzeichen

Worauf sollten Sie nach der Operation achten?

Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden

  • Fieber
  • Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
  • Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
  • Neu auftretende oder zunehmende Taubheit, Kribbeln oder Kraftlosigkeit in Hand oder Unterarm
  • Plötzliches, schmerzhaftes Nachgeben oder ein hörbares Geräusch im Bereich der operierten Sehne
  • Schwellung, Schmerz oder Überwärmung des Unterarms (mögliches Zeichen einer Thrombose)
  • Atemnot

In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.

Häufige Fragen

Häufig gestellte Fragen zur Refixation der distalen Bizepssehne

Wie schnell muss ich nach dem Sehnenriss operiert werden?

Möglichst zeitnah, in der Regel innerhalb weniger Wochen nach dem Ereignis. Je länger gewartet wird, desto weiter zieht sich die Sehne zurück und vernarbt, was die direkte Refixation erschweren kann.

Was ist der Unterschied zur Bizepssehnentenodese?

Die Bizepssehnentenodese betrifft die lange Bizepssehne an der Schulter und wird bei Schulterproblemen eingesetzt. Die hier beschriebene Refixation betrifft die distale, also ellenbogenseitige Bizepssehne nach einem kompletten Riss an ihrem Ansatz am Unterarm, ein völlig anderes Krankheitsbild mit eigenem Verfahren.

Ein-Schnitt- oder Zwei-Schnitt-Technik, was ist besser?

Beide Zugangswege sind etablierte Verfahren mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen. Keine der beiden Techniken ist pauschal überlegen; die Wahl richtet sich nach dem individuellen Befund und der Erfahrung des Operateurs.

Muss ich nach der Operation eine Schiene tragen?

Ja, der Arm wird zunächst in einer Schiene oder Orthese ruhiggestellt bzw. im Bewegungsausmaß begrenzt, bevor die Beweglichkeit schrittweise freigegeben wird.

Wann kann ich wieder arbeiten oder Sport treiben?

Das hängt stark von Ihrer Tätigkeit und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Sitzende Tätigkeiten sind oft früher wieder möglich, körperlich fordernde Arbeit und Sport mit Armbeanspruchung erst nach vollständiger Einheilung der Sehne und gezieltem Kraftaufbau.

Bekomme ich meine volle Kraft im Arm zurück?

Bei zeitnaher Operation und konsequenter Nachbehandlung erholen sich Beuge- und Supinationskraft bei den meisten Patienten gut. Eine Erfolgsgarantie gibt es jedoch nicht, das Ergebnis hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Operation und dem Ausmaß der Sehnenretraktion ab.

Was passiert, wenn ich mich gegen eine Operation entscheide?

Eine konservative Behandlung ist bei geringem Kraftbedarf oder Kontraindikationen möglich, führt aber in der Regel zu einem bleibenden Kraftdefizit vor allem bei der Unterarmdrehung. Details zur Abwägung finden Sie auf unserer Seite zur distalen Bizepssehnenruptur.

Bei MedArtes

Refixation der distalen Bizepssehne bei MedArtes

Ob eine Refixation für Sie infrage kommt, welcher Zugang geeignet ist und wie dringlich die Operationsplanung ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und der Bildgebung. Gerade bei dieser Verletzung ist eine rasche Terminvergabe wichtig, damit ausreichend Zeit für die Operationsplanung bleibt. Wir besprechen mit Ihnen gemeinsam das für Ihren Befund geeignete Vorgehen und begleiten Sie durch Operation und Nachbehandlung.

Operation besprechen

Wenn bei Ihnen eine distale Bizepssehnenruptur festgestellt wurde und eine zeitnahe Refixation infrage kommt, vereinbaren Sie am besten rasch einen Termin, damit ausreichend Zeit für die Operationsplanung bleibt.