Teilgelenksersatz des Kniegelenks
Unikondyläre Schlittenprothese, Ersatz nur des geschädigten Gelenkanteils bei Erhalt der Kreuzbänder
Beim Teilgelenksersatz des Kniegelenks wird nicht das gesamte Gelenk, sondern nur der tatsächlich verschlissene Gelenkanteil ersetzt, meist die Innenseite (medial). Die gesunden übrigen Gelenkanteile, beide Kreuzbänder und deutlich mehr körpereigener Knochen bleiben dabei erhalten. Ziel ist eine spürbare Schmerzlinderung bei einem möglichst natürlichen Bewegungsgefühl. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten sowie die Abgrenzung zur Totalendoprothese finden Sie auf unserer Gonarthrose-Seite.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Meist etwa 45–75 Minuten, tendenziell kürzer als bei der Totalendoprothese.
Narkose
Meist Vollnarkose oder Spinalanästhesie.
Krankenhausaufenthalt
Meist 4–6 Übernachtungen, in der Regel kürzer als bei der Totalendoprothese.
Mobilisation
Nach unserem Fast-Track-Konzept meist noch am Operationstag oder am Folgetag mit Gehstützen, oft rascher als nach einer Totalendoprothese, da weniger Gewebe betroffen ist.
Belastung
Häufig zügiger steigerbar als nach einer Totalendoprothese, da weniger Weichteile und Knochen betroffen sind.
Gehstützen
Meist für ca. 1–3 Wochen zur Sicherheit.
Rehabilitation
Häufig ambulante Physiotherapie ausreichend; in Einzelfällen eine Anschlussheilbehandlung.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 3–6 Wochen (Büro) bis ca. 8–10 Wochen (körperlich fordernde Arbeit).
Sport
Gelenkschonender Sport meist nach etwa 3 Monaten möglich.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden in Rückenlage gelagert. Der Eingriff erfolgt meist in Vollnarkose oder in Spinalanästhesie, gegebenenfalls ergänzt durch eine periphere Nervenblockade zur Schmerztherapie.
Zugang
Der Zugang erfolgt über einen deutlich kleineren Hautschnitt als bei der Totalendoprothese, da nur der betroffene Gelenkanteil freigelegt werden muss. Die Kniescheibe selbst wird dabei in der Regel nicht zur Seite gehalten, sondern lediglich leicht verschoben.
Der eigentliche Eingriff
Der Operateur entfernt ausschließlich den geschädigten Gelenkanteil, meist an der Innenseite von Ober- und Unterschenkel, und bereitet die Knochenflächen für die Prothesenkomponenten vor. Anschließend werden die Femur- und die Tibiakomponente sowie eine dazwischenliegende Gleitfläche (Inlay) eingesetzt und die Beweglichkeit sowie die Bandspannung geprüft. Der gesunde übrige Gelenkanteil, beide Kreuzbänder und deutlich mehr körpereigener Knochen bleiben dabei vollständig erhalten.
Abschluss
Nach Kontrolle von Beweglichkeit und korrektem Sitz der Implantate wird die Wunde schichtweise verschlossen. Üblich sind ein steriler Verband sowie häufig ein Kompressionsverband zur Abschwellung.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Wir behandeln nach dem Fast-Track-Konzept, einem abgestimmten Zusammenspiel aus wirksamer Schmerztherapie, früher Mobilisation und strukturierter Reha-Planung, das einen zügigen Genesungsverlauf unterstützen soll. Die erste Mobilisation erfolgt danach meist bereits am Operationstag oder am Folgetag, oft etwas rascher als nach einer Totalendoprothese, da weniger Gewebe betroffen ist.
Ein Wundschmerz ist normal und wird konsequent mit Schmerzmitteln sowie Kühlung behandelt. Zur Sicherheit werden zunächst Gehstützen genutzt, die Belastung wird jedoch häufig zügiger gesteigert als nach einer Totalendoprothese. Physiotherapie beginnt in der Regel bereits im Krankenhaus und umfasst Bewegungsübungen, Gangschulung und den Aufbau der Oberschenkelmuskulatur. Der stationäre Aufenthalt dauert üblicherweise etwa 4–6 Übernachtungen.
Zum Wundverschluss verwenden wir in der Regel Hautklammern. Duschen ist meist möglich, sobald die Wunde trocken und reizlos ist. Eine Wundkontrolle mit Entfernung der Klammern erfolgt üblicherweise nach etwa 12–14 Tagen. Zur Vorbeugung einer Thrombose wird für einige Wochen eine medikamentöse Prophylaxe eingesetzt.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Mobilisation an Gehstützen
Gehen mit Gehstützen unter Anleitung der Physiotherapie, erste Bewegungsübungen zur Beweglichkeit des Kniegelenks, Kühlung und konsequente Schmerztherapie.
- Nach 2–4 Wochen
Zunehmende Alltagsbelastung
Die Belastbarkeit im Alltag nimmt spürbar zu, viele Patienten benötigen die Gehstützen in diesem Zeitraum nicht mehr durchgehend.
- Nach 6–8 Wochen
Die meisten Alltagsaktivitäten wieder möglich
Alltags- und Bürotätigkeiten sind für die meisten Patienten in diesem Zeitraum wieder gut möglich.
- Nach etwa 3 Monaten
Gelenkschonender Sport
Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren können nach entsprechendem Kraft- und Beweglichkeitsaufbau schrittweise wieder aufgenommen werden.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei sorgfältig ausgewählten Patienten bessern sich Schmerz und Beweglichkeit meist gut.
Durch den Erhalt beider Kreuzbänder berichten viele Patienten von einem natürlicheren Bewegungsgefühl im Vergleich zur Totalendoprothese, eine allgemeingültige Erfolgsquote lässt sich daraus jedoch nicht ableiten, das individuelle Ergebnis hängt von Befund, Auswahl und Mitarbeit in der Reha ab. Der gesunde übrige Gelenkanteil wird durch die Teilprothese nicht behandelt und kann im Verlauf der Zeit weiter verschleißen.
Schreitet der Verschleiß in einem der nicht ersetzten Kompartimente fort, kann später eine Umstellung auf eine Knie-Totalendoprothese notwendig werden. Ein solcher Wechsel ist eine eigenständige, gut planbare Wechseloperation. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.
Spezifische Risiken dieser Operation
Da nur ein Teil des Gelenks ersetzt wird, kann der Verschleiß in den nicht ersetzten Gelenkanteilen im Lauf der Zeit fortschreiten. Wie jedes künstliche Gelenk kann sich auch die Teilprothese im Lauf der Jahre lockern.
Langfristige Risiken
Sowohl bei fortschreitendem Verschleiß der übrigen Gelenkanteile als auch bei einer Lockerung kann in Einzelfällen später eine Umstellung auf eine Totalendoprothese notwendig werden. Dies wird bei der Verfahrenswahl von vornherein mit Ihnen besprochen und ist bei entsprechender Nachsorge in der Regel gut planbar.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Plötzliche Bewegungseinschränkung oder ein Instabilitätsgefühl im Kniegelenk
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
- Ein Sturz auf das operierte Bein
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Teilgelenksersatz bei MedArtes
Ob ein Teilgelenkersatz für Sie geeignet ist, klären wir sorgfältig anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und Ihrer Bildgebung, nicht jeder Patient mit Gonarthrose kommt dafür infrage. Ist eine zusätzliche Achsfehlstellung relevant, prüfen wir gemeinsam mit Ihnen auch die Alternative einer Umstellungsosteotomie. Wir besprechen mit Ihnen, welches Verfahren für Ihre individuelle Situation geeignet ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen zum Teilgelenksersatz
Bin ich für eine Teilprothese geeignet?
Das hängt davon ab, ob Ihr Verschleiß tatsächlich auf ein Kompartiment beschränkt ist, Ihre Kreuzbänder intakt sind und keine relevante Achsfehlstellung außerhalb des korrigierbaren Bereichs vorliegt. Wir prüfen dies anhand Ihrer klinischen Untersuchung und Bildgebung sorgfältig, da nicht jeder Patient dafür geeignet ist.
Was ist der Unterschied zur Totalendoprothese?
Bei der Teilprothese wird nur der verschlissene Gelenkanteil ersetzt, die Kreuzbänder und deutlich mehr körpereigener Knochen bleiben erhalten. Bei der Totalendoprothese wird die gesamte Gelenkoberfläche ersetzt, sie kommt bei Verschleiß mehrerer Kompartimente zum Einsatz.
Wie groß ist die Narbe?
Der Zugang ist deutlich kleiner als bei der Totalendoprothese, da nur der betroffene Gelenkanteil freigelegt werden muss. Die genaue Länge hängt von Ihrer individuellen Anatomie ab.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft nach drei bis sechs Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlich fordernder Arbeit kann es acht bis zehn Wochen dauern.
Kann ich später auf eine Totalendoprothese umsteigen, falls der Verschleiß fortschreitet?
Ja. Sollte der Verschleiß in einem der nicht ersetzten Kompartimente fortschreiten, ist eine Umstellung auf eine Totalendoprothese als eigenständige Wechseloperation möglich und in der Regel gut planbar.
Muss ich eine stationäre Reha machen?
Häufig reicht nach dem Krankenhausaufenthalt eine ambulante Physiotherapie aus. In Einzelfällen kann eine Anschlussheilbehandlung sinnvoll sein, wir besprechen dies individuell mit Ihnen.
Kann ich mit einer Teilprothese wieder Sport treiben?
Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren sind für viele Patienten nach entsprechendem Aufbau wieder gut möglich, meist nach etwa 3 Monaten. Sportarten mit hoher Stoß- oder Drehbelastung sollten individuell mit dem Operateur abgestimmt werden.
Spüre ich die Teilprothese im Alltag?
Viele Patienten berichten aufgrund des Erhalts der Kreuzbänder von einem natürlicheren Bewegungsgefühl als nach einer Totalendoprothese. Ein völlig unauffälliges Gelenkgefühl kann jedoch nicht garantiert werden.
Operation besprechen
Wenn Ihnen eine Teilgelenksersatz des Kniegelenks empfohlen wurde und Sie den Ablauf und Ihre individuelle Eignung besprechen möchten, vereinbaren Sie gerne einen Termin.