Wechseloperation des Kniegelenks
Revisionsendoprothetik, Austausch einer bereits vorhandenen Knieprothese
Ziel der Wechseloperation ist es, eine bereits eingesetzte Knieprothese, Teil- oder Totalendoprothese, ganz oder teilweise gegen ein neues Implantat auszutauschen, wenn das bisherige Kunstgelenk gelockert, verschlissen oder aus anderen Gründen nicht mehr funktionstüchtig ist. Ziel ist es, wieder eine stabile, möglichst schmerzfreie und belastbare Verankerung des Kunstgelenks im Knochen herzustellen. Diese Seite behandelt den aseptischen Wechsel, also den Prothesenwechsel ohne zugrunde liegende Infektion. Liegt eine Protheseninfektion vor, finden Sie die dafür spezifischen Informationen auf unserer Seite zum septischen Knie-TEP-Wechsel. Ausführliche Informationen zur ursprünglichen Erstimplantation finden Sie auf unseren Seiten zur Knie-Totalendoprothese und zur Knieteilprothese.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen.
Operationsdauer
Deutlich länger als bei der Erstimplantation, abhängig vom Ausmaß der notwendigen Rekonstruktion.
Narkose
Meist Vollnarkose oder Spinalanästhesie.
Krankenhausaufenthalt
Länger als bei einer Erstimplantation, meist etwa 5–10 Übernachtungen.
Mobilisation
In der Regel innerhalb der ersten Tage nach der Operation, unter physiotherapeutischer Anleitung.
Belastung
Oft verzögerte Belastungssteigerung im Vergleich zur Erstimplantation, abhängig von der Verankerung und einem eventuellen Knochenaufbau.
Gehstützen / Hilfsmittel
Gehstützen oder Gehwagen sind in der Regel über einen längeren Zeitraum notwendig als nach einer Erstimplantation.
Rehabilitation
In der Regel intensiver und länger als nach einer Erstimplantation, individuell auf das Ausmaß der Revision abgestimmt.
Arbeitsunfähigkeit
Individuell sehr unterschiedlich und deutlich abhängig vom Ausmaß des Eingriffs; wird gemeinsam mit Ihrem Behandlungsteam festgelegt.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden auf dem Rücken gelagert. Der Eingriff erfolgt meist in Vollnarkose oder Spinalanästhesie.
Zugang
Der Zugang erfolgt in der Regel über die bereits bestehende Operationsnarbe der Erstimplantation, um zusätzliches Narbengewebe zu vermeiden. Je nach Ausmaß der notwendigen Rekonstruktion kann der Zugang größer gewählt werden als bei der Erstimplantation.
Der eigentliche Eingriff
Zunächst werden die gelockerten oder verschlissenen Implantatkomponenten schonend aus dem Knochen entfernt. Anschließend wird das Knochenlager aufbereitet: Bei entstandenen Knochendefekten kann dies den Einsatz spezieller Revisionsimplantate mit zusätzlichen Verankerungselementen oder einen Knochenaufbau (etwa mit Knochenersatzmaterial oder körpereigenem Knochen) erfordern. In das so vorbereitete Lager wird die neue Revisionsprothese eingebracht. Revisionsimplantate sind meist etwas größer dimensioniert oder stärker im Knochen verankert als Erstimplantate, um trotz des veränderten Knochenlagers eine dauerhaft stabile Verankerung zu erreichen.
Abschluss
Nach sorgfältiger Spülung des OP-Gebiets und Kontrolle der korrekten Implantatlage wird die Wunde schichtweise verschlossen, meist mit Einlage einer Wunddrainage.
Insgesamt ist eine Wechseloperation in der Regel aufwändiger, technisch anspruchsvoller und langwieriger als die Erstimplantation eines künstlichen Kniegelenks, da bereits Knochensubstanz durch die vorangegangene Operation und den Verschleiß verändert ist. Diese höhere Komplexität ist der Grund für die längere Operationsdauer, den längeren Krankenhausaufenthalt und die individuellere Nachbehandlung.
Aseptischer oder septischer Wechsel?
Aseptischer Wechsel (Inhalt dieser Seite)
Liegt keine Infektion vor, etwa bei aseptischer Lockerung, Materialverschleiß, Instabilität oder periprothetischer Fraktur –, erfolgt der Wechsel in aller Regel einzeitig: Das alte Implantat wird entfernt und in derselben Operation durch die neue Revisionsprothese ersetzt.
Septischer (infektbedingter) Wechsel
Liegt eine periprothetische Infektion vor, ist meist ein zweizeitiges Vorgehen mit Entfernung des Implantats, antibiotikahaltigem Platzhalter (Spacer) und gezielter Antibiotikatherapie vor der Reimplantation notwendig.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Die Mobilisation beginnt in der Regel innerhalb der ersten Tage nach der Operation, unter enger physiotherapeutischer Begleitung.
Schmerzen im operierten Bereich sind in den ersten Tagen normal und werden konsequent medikamentös behandelt. Wie schnell und wie stark das operierte Bein belastet werden darf, hängt vom individuellen Befund ab, insbesondere davon, ob und in welchem Umfang ein Knochenaufbau notwendig war. Gehstützen oder ein Gehwagen kommen in dieser Phase meist über einen längeren Zeitraum zum Einsatz als nach einer Erstimplantation. Physiotherapie beginnt frühzeitig, wird aber individuell an die Belastbarkeit angepasst.
Der Krankenhausaufenthalt ist länger als bei einer Erstimplantation. Die Wundkontrolle sowie eine eventuelle Fadenentfernung erfolgen nach dem üblichen Zeitschema.
Wie geht es zu Hause weiter?
Anders als nach einer Standard-Erstimplantation lässt sich der Reha-Verlauf nach einer Wechseloperation nicht in einer allgemeingültigen Wochen-Timeline abbilden.
Wie schnell die Belastung gesteigert werden kann, wie lange Gehhilfen notwendig sind und wann Physiotherapie in welcher Intensität beginnt, hängt entscheidend vom Ausmaß der Revision ab: Ein reiner Austausch der Gleitflächen ohne Knochendefekt erlaubt in der Regel eine zügigere Steigerung als ein Wechsel mit umfangreichem Knochenaufbau oder speziellen Verankerungsimplantaten.
Im Regelfall ist die Physiotherapie und Reha nach einer Wechseloperation intensiver und über einen längeren Zeitraum angelegt als nach einer Erstimplantation, häufig ergänzt durch eine Anschlussheilbehandlung. Den für Sie passenden Reha-Plan, einschließlich Zeitpunkt der Vollbelastung und Dauer der intensiveren Betreuung, besprechen wir individuell mit Ihnen anhand des tatsächlichen Operationsergebnisses und Ihres Heilungsverlaufs.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom individuellen Heilungsverlauf ab.
Fragen wie Autofahren, Rückkehr an den Arbeitsplatz, Treppensteigen oder sportliche Aktivitäten werden bei jedem Wechselpatienten individuell besprochen, da sich der Verlauf, anders als bei der Erstimplantation, je nach Grund und Umfang des Wechsels stark unterscheiden kann. Als grobe Orientierung gilt: Je umfangreicher der Knochenaufbau oder je aufwändiger die Verankerung der neuen Prothese, desto länger dauert es, bis die volle Belastbarkeit erreicht ist.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Eine Wechseloperation kann die Beschwerden, die zum Versagen des vorherigen Implantats geführt haben, meist deutlich verbessern.
Schmerzen durch eine Lockerung oder ein instabiles Kunstgelenk lassen bei den meisten Patienten spürbar nach, sobald das neue Implantat stabil verankert ist. Das funktionelle Ergebnis, also Beweglichkeit und Belastbarkeit des Knies, kann jedoch hinter dem einer Erstimplantation zurückbleiben. Das gilt insbesondere bei ausgedehnten Knochendefekten, bei denen zusätzliches Material eingebracht werden musste.
Das Ergebnis wird zusätzlich von Faktoren wie dem Ausmaß des Knochenverlusts, der Anzahl vorausgegangener Operationen, Begleiterkrankungen und der konsequenten Mitarbeit in der Nachbehandlung beeinflusst. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion, Narkoserisiken sowie ein Thrombose- und Embolierisiko. Zur Vorbeugung wird routinemäßig eine medikamentöse Thromboseprophylaxe eingesetzt.
Spezifische Risiken dieser Operation
Eine Wechseloperation trägt sämtliche Risiken einer Erstimplantation, zusätzlich jedoch erhöht durch die größere Komplexität des Eingriffs. Das Risiko einer erneuten Lockerung des Implantats ist höher als nach einer Erstimplantation, da das Knochenlager bereits vorbelastet ist. Auch das Infektionsrisiko ist erhöht, insbesondere wenn bereits zuvor eine Infektion vorlag. Durch den notwendigen Knochenaufbau oder eine veränderte Implantatposition kann es eher zu einer Beinlängendifferenz kommen als bei der Erstimplantation. Die Beweglichkeit des Knies nach dem Wechsel kann stärker eingeschränkt bleiben als nach einer Erstimplantation, insbesondere bei ausgedehnter Vernarbung oder größeren Knochendefekten.
Langfristige Risiken
Auch eine Revisionsprothese kann sich im Lauf der Zeit erneut lockern oder verschleißen, sodass in seltenen Fällen ein weiterer Wechsel notwendig werden kann.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Zunehmende Schwellung des operierten Beins
- Instabilitätsgefühl oder Nachgeben des Kniegelenks
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung der Wade (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot oder plötzliche Brustschmerzen
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Wechseloperationen bei MedArtes
Ob und in welchem Umfang eine Wechseloperation für Sie notwendig ist, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und der Bildgebung. Wir besprechen mit Ihnen ausführlich, welches Ausmaß der Rekonstruktion zu erwarten ist und was Sie konkret vor, während und nach der Operation erwartet.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen zur Wechseloperation
Woran erkenne ich, dass meine Knieprothese gelockert ist?
Typisch sind wieder zunehmende oder neu auftretende Schmerzen im Knie, teils auch ein Instabilitätsgefühl. Die Diagnose wird anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung und der Bildgebung gestellt.
Muss bei jeder Wechseloperation das gesamte Implantat ausgetauscht werden?
Nicht zwingend. Je nach Befund kann teilweise nur eine einzelne Implantatkomponente betroffen sein. Der Umfang des Austauschs wird anhand Ihrer Bildgebung individuell geplant.
Was ist der Unterschied zum septischen (infektbedingten) Wechsel?
Diese Seite behandelt den aseptischen Wechsel, also den Prothesenwechsel ohne zugrunde liegende Infektion. Liegt eine Protheseninfektion vor, gilt ein anderes, meist zweizeitiges Vorgehen, mehr dazu auf unserer Seite zum septischen Knie-TEP-Wechsel.
Ist eine Wechseloperation riskanter als die Erstimplantation?
Der Eingriff ist aufwändiger und technisch anspruchsvoller, dadurch sind einzelne Risiken wie erneute Lockerung oder eingeschränkte Beweglichkeit im Vergleich zur Erstimplantation erhöht. Wir besprechen Ihr individuelles Risikoprofil ausführlich mit Ihnen.
Wird das Ergebnis genauso gut wie bei meiner ersten Knieprothese?
Die Beschwerden, die zum Wechsel geführt haben, bessern sich meist deutlich. Das funktionelle Ergebnis, etwa die Beweglichkeit, kann jedoch hinter dem der Erstimplantation zurückbleiben, insbesondere bei größeren Knochendefekten.
Wie lange bleibe ich diesmal im Krankenhaus?
Der Aufenthalt ist in der Regel länger als bei der Erstimplantation, meist etwa 5–10 Übernachtungen.
Kann meine Teilprothese im Rahmen des Wechsels zu einer Totalendoprothese werden?
Ja. Schreitet der Verschleiß in einem bei der Teilprothese nicht ersetzten Kompartiment fort, wird die Teilprothese im Rahmen der Wechseloperation üblicherweise durch eine Totalendoprothese ersetzt.
Kann eine Revisionsprothese erneut gewechselt werden?
Grundsätzlich ja. Auch eine Revisionsprothese unterliegt Verschleiß und kann sich im Lauf der Zeit lockern. Ob und wann ein erneuter Wechsel notwendig wird, hängt vom individuellen Verlauf ab.
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