Patellofemorale Arthrose
Bei der patellofemoralen Arthrose ist gezielt der Knorpel zwischen Kniescheibe und Oberschenkelrolle verschlissen, während die übrigen Gelenkabschnitte meist noch unauffällig sind. Typisch sind vordere Knieschmerzen, vor allem beim Treppabgehen und beim Aufstehen aus tiefer Hocke. Viele Beschwerden lassen sich zunächst konservativ behandeln, bei fortgeschrittenem Verschleiß kommen ergänzend interventionelle oder operative Optionen infrage. Wir erklären, wie die patellofemorale Arthrose entsteht, wie sie sich von verwandten Beschwerdebildern unterscheidet und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Termin vereinbarenTypische Symptome
Im Vordergrund steht ein vorderer, oft diffus lokalisierter Knieschmerz hinter oder um die Kniescheibe, der sich bei Belastungen mit starker Beugung deutlich verstärkt.

Besonders typisch sind Schmerzen beim Treppensteigen, wobei das Abwärtsgehen meist stärker betrifft als das Aufwärtsgehen, da beim Abstieg ein höherer Anpressdruck der Kniescheibe gegen die Oberschenkelrolle entsteht. Auch das Aufstehen aus tiefer Hocke oder aus einem niedrigen Sitz, langes Sitzen mit gebeugtem Knie sowie Kniebeugebewegungen im Alltag oder Sport lösen häufig Beschwerden aus. Viele Patienten berichten zusätzlich über ein Reiben, Knirschen oder Krepitieren hinter der Kniescheibe bei Bewegung, gelegentlich begleitet von einem leichten Reizerguss oder einem Anlaufschmerz nach Ruhephasen.
Was steckt dahinter?
Anatomie des patellofemoralen Gelenks
Die Kniescheibe (Patella) gleitet beim Beugen und Strecken des Knies in einer Rinne der Oberschenkelrolle, der sogenannten Trochlea. Eine Knorpelschicht auf der Rückfläche der Kniescheibe und in der Trochlea sorgt für ein reibungsarmes Gleiten und überträgt die Zugkräfte der Oberschenkelmuskulatur auf den Unterschenkel. Dieser Gelenkabschnitt wird bei gebeugtem Knie besonders stark belastet, etwa beim Treppabgehen, Hinknien oder Aufstehen aus der Hocke.
Ursachen und Risikofaktoren
Eine patellofemorale Arthrose kann primär degenerativ, also im Rahmen des altersbedingten Verschleißes, entstehen. Häufig liegt jedoch eine erkennbare Ursache zugrunde, die die Belastung im Gleitlager dauerhaft erhöht:
- Fehlstellungen der Kniescheibe: Eine Lateralisierung, bei der die Kniescheibe zu weit außen im Gleitlager geführt wird, erhöht den Druck auf bestimmte Knorpelareale und begünstigt einen ungleichmäßigen Verschleiß.
- Frühere Patellainstabilität: Nach wiederholten oder einmaligen Verrenkungen der Kniescheibe (Patellaluxation) kann der Knorpel geschädigt sein und sich langfristig zunehmend abnutzen.
- Achsfehlstellungen: Eine ausgeprägte Beinachsenabweichung kann die Kräfteverteilung im patellofemoralen Gelenk ungünstig verändern.
- Posttraumatisch: Nach Kniescheibenbrüchen, Knorpelverletzungen oder Operationen im vorderen Kniebereich kann sich sekundär eine Arthrose entwickeln.
- Primär degenerativ: Auch ohne erkennbare Vorerkrankung kann sich der Knorpel im Gleitlager im Alter abnutzen, teils begünstigt durch familiäre Veranlagung.

Das Wichtigste in Kürze
UntersuchungWie finden wir die Ursache?
Anamnese und klinische Untersuchung
Am Anfang steht das ausführliche Gespräch über Schmerzcharakter, Belastungsabhängigkeit und frühere Kniescheibenprobleme. Bei der körperlichen Untersuchung werden die Führung der Kniescheibe im Gleitlager, ein möglicher Anpressschmerz, Krepitationen bei Bewegung sowie Zeichen einer Instabilität oder Achsfehlstellung geprüft.
Bildgebung
Ein Röntgenbild des Kniegelenks in mehreren Ebenen ist Standard, entscheidend ist dabei vor allem die axiale Patella-Tangentialaufnahme (Sunrise- oder Defilee-Aufnahme), die das Gleitlager und die Stellung der Kniescheibe direkt darstellt und Verschmälerungen des Gelenkspalts sowie knöcherne Anbauten sichtbar macht. Eine MRT kann ergänzend sinnvoll sein, um das Ausmaß des Knorpelschadens genauer zu beurteilen, Begleitschäden auszuschließen und die übrigen Gelenkabschnitte mitzubeurteilen.
Ohne OperationKonservative Behandlung
Die meisten Beschwerden am Knie lassen sich zunächst ohne Operation behandeln. Idealerweise sollten die verschiedenen konservativen Therapiemöglichkeiten dabei mit den Möglichkeiten der interventionellen und regenerativen Medizin zu einem Zeitpunkt kombiniert werden, um das bestmögliche Behandlungsergebnis zu erzielen.
Klassische Schmerztherapie und Physiotherapie
Zur konservativen Therapie nutzen wir die orale Schmerzmedikation und Physiotherapie als Basis zur Verbesserung Ihrer Beschwerden.
Medikamentöse Schmerztherapie
Kurzfristig eingesetzt, um akute Beschwerden zu lindern und Bewegung wieder zu ermöglichen.
Physiotherapie und medizinische Trainingstherapie
Gezielte Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung, unter therapeutischer Anleitung strukturiert aufgebaut.
Gewichtsmanagement
Eine Reduktion von Übergewicht senkt die Druckbelastung im patellofemoralen Gelenk spürbar, besonders beim Treppensteigen und bei Kniebeugebewegungen.
Belastungsanpassung im Alltag
Eine vorübergehende Reduktion stark beugebetonter Belastungen wie Treppabgehen, Knien oder tiefer Hocke kann die Beschwerden im Alltag lindern.
Hyaluronsäure-Infiltrationen
Injektionen von Hyaluronsäure werden ergänzend eingesetzt; die Datenlage speziell für die patellofemorale Arthrose ist jedoch uneinheitlich, sodass sie nicht als Standardtherapie, sondern als individuell abzuwägende Option gelten.
Mehr über die Hyaluronsäure-Therapie erfahren →Regenerative Therapie
Ergänzend zu konservativen und interventionellen Maßnahmen können regenerative Eigenblutverfahren eingesetzt werden. Bei MedArtes setzen wir bewusst auch auf innovative Verfahren der regenerativen Medizin, um Ihnen über etablierte Therapien hinaus zusätzliche, zukunftsorientierte Behandlungsoptionen anzubieten.
Wenn nötigOperative Behandlung
Operationsverfahren
Achskorrektur bei zugrundeliegender Fehlstellung
Liegt eine relevante Beinachsenabweichung oder eine ausgeprägte Fehlführung der Kniescheibe zugrunde, kann eine korrigierende Operation die Druckverteilung im patellofemoralen Gelenk verbessern und dessen weitere Belastung reduzieren.Mehr zur Achsfehlstellung am Knie →
Isolierter patellofemoraler Gelenkersatz
Bei ausschließlich oder überwiegend auf das Gleitlager begrenztem Knorpelverlust kann ein Rückflächenersatz der Kniescheibe oder ein patellofemoraler Teilersatz erwogen werden, bei dem nur der betroffene Gelenkabschnitt ersetzt und die übrigen, gesunden Gelenkanteile erhalten bleiben.Mehr zur Knie-Teilprothese →
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen
Warum tut das Treppabgehen mehr weh als das Treppaufgehen?
Beim Abwärtsgehen muss die Oberschenkelmuskulatur die Kniescheibe stark gegen die Oberschenkelrolle abbremsen, wodurch der Anpressdruck im Gleitlager deutlich höher ist als beim Aufwärtsgehen. Dieser Druck betrifft genau den Gelenkabschnitt, der bei der patellofemoralen Arthrose geschädigt ist.
Ist ein Knirschen im Knie immer ein Zeichen für Arthrose?
Nicht zwingend. Ein Reiben oder Knirschen im vorderen Knie kann auch ohne relevanten Knorpelschaden auftreten. Erst die klinische Untersuchung zusammen mit der Bildgebung zeigt, ob tatsächlich ein struktureller Knorpelverlust vorliegt.
Kann ich mit patellofemoraler Arthrose weiter Rad fahren?
Radfahren mit niedrigem Widerstand und angepasster Sattelhöhe wird häufig gut vertragen, da die Kniebeugung dabei meist moderat bleibt. Stark beugebetonte Belastungen sollten individuell abgestimmt werden.
Hilft eine Bandage oder Orthese bei patellofemoraler Arthrose?
Eine Patellabandage kann bei manchen Patienten das subjektive Beschwerdegefühl im Alltag lindern, ersetzt jedoch nicht ein gezieltes Krafttraining und wirkt individuell unterschiedlich.
Muss eine patellofemorale Arthrose immer operiert werden?
Nein. Die meisten Fälle lassen sich zunächst konservativ mit Physiotherapie und Gewichtsmanagement behandeln. Eine Operation wird erst bei fortgeschrittenem, konservativ ausgeschöpftem Verlauf erwogen.
Wie unterscheidet sich das von einem Läuferknie oder einer Chondropathie?
Solche umgangssprachlichen Bezeichnungen meinen häufig ein funktionelles patellofemorales Schmerzsyndrom ohne relevanten Knorpelschaden, seltener eine beginnende Knorpelerweichung. Erst Untersuchung und Bildgebung klären, ob tatsächlich ein struktureller Verschleiß im Sinne einer Arthrose vorliegt.