Radiofrequenzablation am Knie
Minimalinvasive, bildgesteuerte Ausschaltung der schmerzleitenden Kniegelenknerven
Termin vereinbarenDas Verfahren auf einen Blick
Die genikuläre Nervenradiofrequenzablation (GRFA) ist ein minimalinvasives Verfahren, mit dem sich chronische, meist arthrosebedingte Knieschmerzen lindern lassen, ohne offenen Eingriff am Gelenk selbst. Das Verfahren kommt nicht nur bei der Gonarthrose zum Einsatz, sondern auch bei persistierenden Schmerzen nach einer bereits durchgeführten Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP). Unter Bildkontrolle wird eine dünne Sonde gezielt an die kleinen sensorischen Nervenäste (Rami genikulares) herangeführt, die Schmerzsignale aus der vorderen Gelenkkapsel weiterleiten. Durch gezielte Wärmeeinwirkung werden diese Nervenäste vorübergehend ausgeschaltet. Wichtig zu wissen: Das Verfahren behandelt die Schmerzweiterleitung, nicht die zugrunde liegende Gelenkerkrankung. Was das für Sie bedeutet und wie der Ablauf konkret aussieht, erklären wir auf dieser Seite. Informationen zur Gonarthrose selbst und zu den konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unserer Gonarthrose-Seite.
Eingriffsdauer
Meist etwa 30–45 Minuten, abhängig von der Anzahl behandelter Nervenäste.
Betäubung
In der Regel örtliche Betäubung der Einstichstellen, ggf. ergänzt durch eine leichte Sedierung.
Ambulant / stationär
Ambulanter Eingriff, ein Krankenhausaufenthalt ist normalerweise nicht erforderlich.
Bildsteuerung
Sondenplatzierung unter Röntgendurchleuchtung oder Ultraschall.
Testblockade
Häufig vorab zur Abschätzung der Erfolgsaussicht, mit örtlichem Betäubungsmittel.
Belastung danach
Das Knie darf in der Regel sofort wieder belastet werden, leichte Schonung am Eingriffstag ist sinnvoll.
Wirkeintritt
Die schmerzlindernde Wirkung setzt meist innerhalb weniger Tage bis Wochen ein.
Wirkdauer
Typischerweise über 2–3 Jahre anhaltend, individuell unterschiedlich.
Wiederholbarkeit
Bei nachlassender Wirkung kann eine erneute Behandlung erwogen werden.
Wie läuft die Radiofrequenzablation ab?
Diagnostische Testblockade
Vor der eigentlichen Ablation wird häufig zunächst eine Testblockade durchgeführt: Die betreffenden Nervenäste werden dabei probeweise mit einem örtlichen Betäubungsmittel umspritzt. Lässt der Knieschmerz daraufhin für die zu erwartende Wirkdauer des Betäubungsmittels deutlich nach, ist dies ein sinnvoller Hinweis darauf, dass die spätere Radiofrequenzablation an denselben Nervenästen ebenfalls wirksam sein könnte. Diese Testblockade hilft, die individuelle Erfolgsaussicht besser einzuschätzen, bevor die dauerhaftere Behandlung erfolgt.
Vorbereitung und Betäubung
Sie liegen für den Eingriff auf dem Rücken, das Knie leicht gebeugt. Die Einstichstellen der Haut werden örtlich betäubt; eine Vollnarkose ist nicht notwendig. Bei Bedarf kann zusätzlich eine leichte Sedierung zur Entspannung gegeben werden.
Sondenplatzierung unter Bildkontrolle
Unter Röntgendurchleuchtung oder Ultraschallkontrolle wird eine dünne Sonde durch die Haut bis an die typische Lage der Rami genikulares am Knochen herangeführt. Klassisch werden drei Hauptäste behandelt, der obere mediale, der obere laterale und der untere mediale Ast. Nach neueren Erkenntnissen kann die zusätzliche Behandlung weiterer Nervenäste die Ergebnisse verbessern, sodass je nach individuellem Befund auch zusätzliche Punkte behandelt werden können.
Thermische Ausschaltung des Nervenastes
Nach korrekter Lagekontrolle wird über die Sonde ein hochfrequenter Wechselstrom appliziert, der an der Sondenspitze gezielt Wärme erzeugt. Diese thermische Einwirkung unterbricht vorübergehend die Fähigkeit des Nervenastes, Schmerzsignale weiterzuleiten (thermische Neurotomie). Dieser Schritt wird für jeden zu behandelnden Nervenast einzeln wiederholt.
Abschluss
Nach Entfernung der Sonden werden die kleinen Einstichstellen mit einem Pflaster versorgt. Nähte sind nicht erforderlich. Sie können den Eingriffsraum nach kurzer Nachbeobachtung noch am selben Tag wieder verlassen.
Wann ist eine Radiofrequenzablation sinnvoll?
Die GRFA kommt für Patienten mit chronischen, überwiegend arthrosebedingten Knieschmerzen infrage, bei denen die etablierten konservativen Therapien, etwa Physiotherapie, medikamentöse Schmerztherapie oder Infiltrationen, bereits ausgeschöpft sind, ohne ausreichende Besserung zu erzielen. Sie eignet sich insbesondere für Patienten, die für einen Gelenkersatz (noch) nicht infrage kommen oder eine Operation bewusst vermeiden bzw. hinauszögern möchten, aber dennoch eine spürbare Erleichterung im Alltag suchen.
Auch bei fortbestehenden Schmerzen nach einer bereits durchgeführten Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP) kann eine GRFA erwogen werden. Wir führen vor jeder Ablation eine Testinfiltration durch.
Ob eine GRFA für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, Ihrer Vorbehandlungen und des Ergebnisses einer diagnostischen Testblockade.
Was passiert unmittelbar nach dem Eingriff?
Da der Eingriff ambulant und minimalinvasiv erfolgt, können Sie das Knie meist bereits am selben Tag wieder normal belasten.
An den kleinen Einstichstellen können vorübergehende Schmerzen oder ein leichter Bluterguss auftreten, die in der Regel innerhalb weniger Tage abklingen. Gehstützen oder andere Hilfsmittel sind normalerweise nicht erforderlich. Wir empfehlen, den Tag des Eingriffs selbst noch ruhig anzugehen und stärkere körperliche Belastung erst in den Folgetagen wieder aufzunehmen. Duschen ist meist am Folgetag möglich, sobald die Einstichstellen trocken und reizlos sind. Eine gesonderte Wundkontrolle ist bei diesem minimalinvasiven Verfahren in der Regel nicht notwendig.
Wie geht es in den Wochen danach weiter?
- Erste Tage
Abklingende Reizung an den Einstichstellen
Leichte Schmerzen oder ein Bluterguss an den Einstichstellen sind normal und bilden sich meist rasch zurück. Alltagsbewegungen sind erlaubt, stärkere sportliche Belastung sollte noch geschont werden.
- Erste 1–2 Wochen
Mögliche vorübergehende Beschwerdezunahme
Manche Patienten berichten in den ersten Tagen über eine leichte, vorübergehende Reizung des behandelten Bereichs, bevor die eigentliche schmerzlindernde Wirkung einsetzt.
- Nach etwa 2–4 Wochen
Einsetzende Schmerzlinderung
Bei den Patienten, die auf das Verfahren ansprechen, zeigt sich in diesem Zeitraum meist die spürbare Besserung der Knieschmerzen im Alltag.
- Über 2–3 Jahre
Anhaltende Wirkung
Die schmerzlindernde Wirkung hält typischerweise über 2–3 Jahre an. Wie lange genau, ist individuell unterschiedlich.
- Langfristig
Nachlassende Wirkung und mögliche Wiederholung
Da sich die behandelten Nervenäste im Verlauf regenerieren können, lässt die Wirkung mit der Zeit nach. Bei erneuten Beschwerden kann eine Wiederholung des Verfahrens besprochen werden.
Welches Ergebnis kann ich erwarten?
Wird meine Kniearthrose dadurch geheilt? Nein. Die Radiofrequenzablation verändert die Gelenkstruktur nicht, sondern unterbricht die Weiterleitung der Schmerzsignale aus dem Gelenk.
Die GRFA ist eine sinnvolle interventionelle Option zur Schmerzlinderung, kein strukturverändernder Eingriff. In Studien erreicht ein relevanter Teil der behandelten Patienten eine spürbare Schmerzreduktion über den beobachteten Nachbeobachtungszeitraum, das Ansprechen ist jedoch individuell unterschiedlich und lässt sich vorab nicht mit Sicherheit vorhersagen. Die Testblockade vor dem Eingriff hilft, die persönliche Erfolgsaussicht besser einzuschätzen.
Bessere Erfolgsaussichten zeigen sich tendenziell bei fortgeschrittener Arthrose und wenn mehr als die drei klassischen Nervenäste behandelt werden. Auch bei Patienten mit bereits eingesetzter Knie-TEP und fortbestehenden Schmerzen kann die GRFA eine wirksame Option zur Schmerzlinderung sein, insbesondere wenn die vorherige Testinfiltration bereits eine deutliche Besserung gezeigt hat. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, wir besprechen Ihre individuelle Prognose anhand Ihres Befunds und des Ergebnisses der Testblockade mit Ihnen.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Risiken
Da es sich um eine minimalinvasive Punktion und keine offene Operation handelt, sind die Risiken insgesamt gering. Wie bei jeder Punktion besteht ein geringes Infektionsrisiko an den Einstichstellen.
Spezifische Risiken des Verfahrens
An den Einstichstellen können vorübergehende Schmerzen oder ein Bluterguss auftreten, die üblicherweise von selbst abklingen. Sehr selten kommt es zu einer Reizung eines behandelten oder benachbarten Nervenastes mit vorübergehendem Taubheitsgefühl im zugehörigen Hautareal.
Langfristige Aspekte
Da sich die behandelten Nervenäste regenerieren können, ist die Wirkung nicht dauerhaft. Dies ist kein Risiko im eigentlichen Sinne, sollte Ihnen aber vor dem Eingriff bewusst sein, damit Sie realistische Erwartungen an das Verfahren haben.
Worauf sollten Sie nach dem Eingriff achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah melden
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns vorstellen, statt abzuwarten.
- Fieber
- Zunehmende Rötung, Überwärmung, Nässen oder Schwellung an einer Einstichstelle
- Ungewöhnlich starke oder über Tage zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretendes, deutliches oder anhaltendes Taubheitsgefühl im Bereich des Knies
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns vorstellen, statt abzuwarten.
Radiofrequenzablation bei MedArtes
Ob eine Radiofrequenzablation der Rami genikulares für Sie eine sinnvolle ergänzende Option darstellt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, Ihrer bisherigen Behandlungen und einer diagnostischen Testblockade. Wir besprechen mit Ihnen offen, welche realistischen Erwartungen an das Verfahren angemessen sind und wie es sich in Ihr Gesamtbehandlungskonzept einfügt.
Ihre Spezialisten für das Knie
Dr. med. Sven Hartmann
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
PD Dr. med. Dipl.-Ing. Florian Völlner
Prof. Dr. med. Dr. med. univ. Günther Maderbacher, MHBA
Prof. Dr. med. Franz Xaver Köck
Prof. Dr. med. habil. Jürgen Götz, MHBA
Häufig gestellte Fragen zur Radiofrequenzablation
Heilt das meine Arthrose?
Nein. Die Radiofrequenzablation verändert das Gelenk selbst nicht, sondern unterbricht die Weiterleitung der Schmerzsignale aus der Gelenkkapsel. Die zugrunde liegende Gonarthrose besteht weiterhin, das Verfahren behandelt gezielt den Schmerz, nicht dessen strukturelle Ursache.
Wie lange hält die Wirkung an?
Typischerweise über 2–3 Jahre, individuell unterschiedlich. Da sich die behandelten Nervenäste im Verlauf regenerieren können, lässt die schmerzlindernde Wirkung mit der Zeit nach.
Kann ich das Verfahren wiederholen?
Ja. Wenn die Wirkung nachlässt und erneut Beschwerden auftreten, kann eine wiederholte Radiofrequenzablation erwogen werden.
Bin ich danach schmerzfrei?
Das lässt sich nicht garantieren. In Studien erreicht ein relevanter Teil der Patienten eine spürbare Schmerzreduktion, das Ansprechen ist aber individuell unterschiedlich. Manche Patienten profitieren deutlich, andere weniger oder gar nicht.
Wozu dient die Testblockade vor der eigentlichen Behandlung?
Sie zeigt, ob eine vorübergehende Betäubung der infrage kommenden Nervenäste Ihre Knieschmerzen bereits lindert. Spricht der Schmerz auf die Testblockade an, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch die Radiofrequenzablation an diesen Nervenästen wirksam ist.
Ist der Eingriff schmerzhaft?
Die Einstichstellen werden örtlich betäubt, sodass der Eingriff für die meisten Patienten gut erträglich ist. Ein kurzzeitiges Druck- oder Wärmegefühl während der Ablation ist möglich.
Kann ich das Verfahren auch nach einer Knie-TEP durchführen lassen?
Ja. Auch bei fortbestehenden Schmerzen nach einer bereits durchgeführten Knie-TEP kann die GRFA eine wirksame Option sein. Wir führen vor jeder Ablation eine Testinfiltration durch und besprechen anhand deren Ergebnisses gemeinsam mit Ihnen, ob das Verfahren in Ihrer individuellen Situation sinnvoll erscheint.
Muss ich danach ins Krankenhaus?
Nein, die GRFA wird ambulant durchgeführt. Sie können den Eingriffsraum nach kurzer Nachbeobachtung noch am selben Tag wieder verlassen.
Wann darf ich das Knie wieder normal belasten?
In der Regel sofort. Am Eingriffstag selbst empfiehlt sich eine ruhige Gangart, stärkere körperliche Belastung kann meist in den Folgetagen wieder aufgenommen werden.