Subakromiale Dekompression
Arthroskopische Erweiterung des Raums unter dem Schulterdach bei therapieresistentem Impingement
Ziel der subakromialen Dekompression ist es, den beengten Raum unter dem Schulterdach arthroskopisch, also minimalinvasiv über wenige kleine Schnitte, dauerhaft zu erweitern. Dabei wird der entzündlich veränderte Schleimbeutel entfernt und, falls erforderlich, ein knöcherner Sporn am Schulterdach geglättet. Diese Seite erklärt Ihnen, wie der Eingriff konkret abläuft und was in den Wochen danach auf Sie zukommt. Die Erkrankung selbst, die Diagnostik und die konservativen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie auf unseren Seiten zum subakromialen Schmerzsyndrom und zur Tendinopathie der Rotatorenmanschette.
Termin vereinbarenDie Operation auf einen Blick
Realistische Orientierungswerte, der individuelle Verlauf kann abweichen und hängt vom Ausmaß des Eingriffs ab.
Operationsdauer
Meist etwa 30–45 Minuten, abhängig davon, ob zusätzlich eine Akromioplastik oder ein Sehnendebridement erforderlich ist.
Narkose
In der Regel eine Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine regionale Nervenblockade des Schulterplexus zur Schmerzlinderung nach der OP.
Krankenhausaufenthalt
Häufig ambulant oder mit einer Übernachtung möglich.
Ruhigstellung
Da keine Sehne genäht wird, ist kein striktes Ruhigstellungsprotokoll notwendig, allenfalls kurzzeitig eine Schulter-Armbandage zur Beschwerdelinderung.
Mobilisation
Der Arm darf meist schon am Operationstag schmerzadaptiert bewegt werden.
Physiotherapie
Beginnt in der Regel frühfunktionell, oft bereits in der ersten Woche nach der Operation.
Arbeitsunfähigkeit
Je nach Tätigkeit ca. 1–2 Wochen (überwiegend sitzend) bis ca. 4–6 Wochen (körperliche/Über-Kopf-Tätigkeit).
Autofahren
Häufig nach etwa 2–3 Wochen möglich, abhängig vom Heilungsverlauf und dem Ausmaß des Eingriffs.
Volle Belastbarkeit
Einschließlich Überkopf- und Sportbelastung meist nach etwa 3–4 Monaten erreicht.
Wann wird diese Operation durchgeführt?
Eine subakromiale Dekompression kommt infrage, wenn trotz konsequent über einen ausreichenden Zeitraum ausgeschöpfter konservativer und interventioneller Therapie, insbesondere Physiotherapie mit Skapula-Stabilisationstraining sowie ergänzender Verfahren wie Stoßwelle, HILT, PRP-Infiltration oder subakromialer Kortison-Infiltration, weiterhin relevante Schmerzen und Einschränkungen im Alltag bestehen. Auch eine im Bildgebungsbefund erkennbare, deutliche knöcherne Enge unter dem Schulterdach, die die Beschwerden wesentlich mitverursacht, kann ein Grund sein.
Vor der Operation wird noch einmal sorgfältig geprüft, ob tatsächlich eine mechanische Einengung beziehungsweise eine Sehnenreizung ohne relevanten Substanzdefekt vorliegt und nicht bereits ein Sehnenriss, der eine grundlegend andere operative Versorgung, die Rotatorenmanschettennaht, erfordern würde. Details zur Indikationsstellung und den vorausgehenden konservativen Maßnahmen finden Sie auf unseren Seiten zum subakromialen Schmerzsyndrom und zur Tendinopathie der Rotatorenmanschette.
Wie läuft die Operation ab?
Vorbereitung und Narkose
Sie werden meist in einer halbsitzenden Position (Beach-Chair-Lagerung) oder in Seitenlage gelagert. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Vollnarkose, häufig ergänzt durch eine regionale Nervenblockade des Schulterplexus, die auch in den ersten Stunden nach der Operation für eine spürbare Schmerzlinderung sorgt.
Zugang
Über zwei bis drei kleine Hautschnitte von wenigen Millimetern (Portale) werden eine Kamera und die feinen Instrumente in das Schultergelenk beziehungsweise den subakromialen Raum eingeführt. Ein größerer, offener Zugang ist für diesen Eingriff nicht notwendig.
Der eigentliche Eingriff
Zunächst wird der subakromiale Raum arthroskopisch dargestellt und der entzündlich veränderte Schleimbeutel (Bursa subacromialis) entfernt (Bursektomie). Dies verschafft nicht nur mehr Platz, sondern beseitigt auch die Ursache eines wesentlichen Teils der Schmerzen. Zeigt sich anschließend ein knöcherner Sporn oder ein ungünstig geformtes Schulterdach, wird dieser mit einer kleinen Fräse geglättet beziehungsweise abgetragen (Akromioplastik), dieser Schritt erfolgt gezielt und nur bei entsprechendem Befund, nicht routinemäßig bei jeder Operation. Zeigt die darunterliegende Sehne der Rotatorenmanschette Zeichen einer begleitenden Tendinopathie, wird das aufgefaserte, degenerativ veränderte Gewebe geglättet und gereinigt (Sehnendebridement), um die Regeneration zu unterstützen.
Findet sich während der Operation entgegen der vorherigen Einschätzung doch ein relevanter Sehnenriss, wird dieser Befund als Rotatorenmanschettenruptur eingestuft und, sofern intraoperativ möglich und sinnvoll, mit einer Sehnennaht statt eines reinen Debridements versorgt.
Abschluss
Nach Spülung des Gelenks und Kontrolle des erweiterten Raums werden die kleinen Hautschnitte mit ein bis zwei Nähten oder Klammerpflastern verschlossen. Ein spezieller Fixierverband ist nicht erforderlich; kurzzeitig kann eine einfache Armschlinge zur Beschwerdelinderung getragen werden.
Was passiert unmittelbar nach der Operation?
Anders als nach einer Rotatorenmanschettennaht muss keine Sehne am Knochen einheilen, der Arm darf daher meist bereits am Operationstag im schmerzadaptierten Rahmen bewegt werden.
Ein Wundschmerz ist normal und lässt sich in der Regel gut mit Schmerzmitteln kontrollieren; Kühlen der Schulter in den ersten Tagen hilft zusätzlich, Schwellung und Beschwerden gering zu halten. Der stationäre Aufenthalt beschränkt sich häufig auf eine Übernachtung oder erfolgt ambulant. Eine schmerzadaptierte, frühfunktionelle Physiotherapie zur Wiederherstellung von Beweglichkeit beginnt meist schon in der ersten Woche.
Eine Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung erfolgt üblicherweise nach etwa 10–14 Tagen. Wie schnell die Belastung im weiteren Verlauf gesteigert werden kann, richtet sich nach dem intraoperativen Befund, insbesondere danach, ob zusätzlich ein Sehnendebridement durchgeführt wurde, und dem individuellen Heilungsverlauf.
Wie geht es zu Hause weiter?
- Erste Tage
Schmerzadaptierte Bewegung und Kühlen
Der Arm wird im schmerzfreien Bereich bewegt, um einer Versteifung vorzubeugen. Kühlen und, falls verordnet, eine kurzzeitige Armschlinge lindern die Beschwerden.
- Nach etwa 1–2 Wochen
Wundkontrolle und beginnende Physiotherapie
Wundkontrolle mit gegebenenfalls Fadenentfernung. Die frühfunktionelle Physiotherapie zur Verbesserung der Beweglichkeit wird fortgeführt oder begonnen.
- Nach 3–6 Wochen
Beginn des Kräftigungsaufbaus
Sobald die Beweglichkeit ausreichend hergestellt ist, wird schrittweise mit einem gezielten Kräftigungstraining der Rotatorenmanschette und der schulterumgebenden Muskulatur begonnen.
- Nach 6–12 Wochen
Rückkehr zu den meisten Alltagsaktivitäten
Alltagsbewegungen, leichtere körperliche Belastungen und viele sportliche Aktivitäten ohne ausgeprägte Überkopfkomponente sind für die meisten Patienten wieder möglich.
- Langfristig
Volle Belastbarkeit nach einigen Monaten
Die volle Belastbarkeit einschließlich anspruchsvoller Überkopf- und Sportbelastung ist meist nach etwa 3–4 Monaten erreicht.
Wann kann ich wieder …?
Alle Angaben sind Orientierungswerte und hängen vom Ausmaß des Eingriffs und dem individuellen Heilungsverlauf ab.
Auto fahren
Sobald Beweglichkeit und Kraft ausreichen, um das Fahrzeug sicher zu kontrollieren.
Büroarbeit
Mit der Möglichkeit, den Arm zwischendurch zu entlasten.
Körperliche/Über-Kopf-Tätigkeit
Abhängig vom Ausmaß der Belastung im Beruf und vom intraoperativen Befund.
Leichtes Krafttraining
Zunächst ohne Überkopfbelastung, Steigerung nach ärztlicher Rücksprache.
Radfahren
Zunächst auf ebenem Untergrund und in aufrechter Sitzposition.
Schwimmen
Nach vollständiger Wundheilung und ausreichender Beweglichkeit.
Tragen von Lasten über Kopfhöhe
Schrittweise Steigerung entsprechend dem Kräftigungsaufbau der Rotatorenmanschette.
Überkopfsport (Tennis, Volleyball, Wurfsport)
Erst nach abgeschlossenem Kräftigungsaufbau und voller Belastbarkeit der Schulter.
Welche Ergebnisse kann ich erwarten?
Bei passender Indikation berichten die meisten Patienten nach einer subakromialen Dekompression von einer deutlichen Schmerzlinderung.
Da der erweiterte Raum unter dem Schulterdach dem Gewebe dauerhaft mehr Platz verschafft und die entzündlich veränderte Struktur, der Schleimbeutel, entfernt wird, lässt der mechanisch bedingte Schmerz bei den meisten Patienten spürbar nach. Die Rückkehr zur vollen Belastbarkeit, insbesondere für Überkopf- und Sportbelastungen, nimmt jedoch einige Wochen bis Monate in Anspruch.
Entscheidend für das Ergebnis ist eine zutreffende Indikationsstellung: Liegt der Beschwerde tatsächlich überwiegend eine mechanische Einengung beziehungsweise eine Sehnenreizung ohne relevanten Substanzdefekt zugrunde, ist die Erfolgsaussicht gut. Wurde die Diagnose hingegen nicht korrekt eingeordnet, etwa wenn eigentlich ein größerer Sehnenriss vorliegt, der eine Naht erfordert hätte, kann die alleinige Dekompression die Beschwerden nicht ausreichend bessern. Auch das Fortbestehen der zugrunde liegenden muskulär-koordinativen Ursache kann das Ergebnis beeinflussen, weshalb das begleitende Stabilisationstraining auch nach der Operation wichtig bleibt. Eine Erfolgsgarantie kann Ihnen niemand geben, die individuelle Prognose besprechen wir mit Ihnen anhand Ihres Befunds.
Welche Risiken bestehen?
Allgemeine Operationsrisiken
Wie bei jeder Operation bestehen grundsätzliche Risiken wie Nachblutung, Wundinfektion und Narkoserisiken. Das Thromboserisiko ist bei diesem Eingriff insgesamt gering.
Spezifische Risiken dieser Operation
In manchen Fällen entwickelt sich nach der Operation eine vorübergehende Bewegungseinschränkung oder Steifigkeit der Schulter (Schultersteife), die durch konsequente Physiotherapie meist gut behandelbar ist. Eine vorübergehende Reizung kleiner Nerven im OP-Gebiet mit Taubheitsgefühl ist möglich, bildet sich aber in aller Regel zurück. Das wichtigste spezifische Risiko ist eine unzureichende Beschwerdebesserung bei nicht ganz passender Indikationsstellung, etwa wenn den Beschwerden tatsächlich ein relevanter, nicht vollständig erkannter Sehnenriss zugrunde liegt, der eine Naht statt eines reinen Debridements erfordert hätte.
Langfristige Risiken
Bleibt die zugrunde liegende muskulär-koordinative Ursache der Einengung unbehandelt, können die Beschwerden im Verlauf wiederkehren. Eine erneute, relevante Verengung des operativ erweiterten Raums ist dagegen selten.
Worauf sollten Sie nach der Operation achten?
Bei diesen Anzeichen bitte zeitnah bzw. sofort melden
- Fieber
- Auffällige Wundverhältnisse: zunehmende Rötung, Nässen, Überwärmung oder starke Schwellung im Wundbereich
- Ungewöhnlich starke oder zunehmende statt abnehmende Schmerzen
- Neu auftretende Taubheit, Kribbeln oder Kraftlosigkeit im Arm oder in der Hand
- Schwellung, Schmerz oder Überwärmung des Arms (mögliches Zeichen einer Thrombose)
- Atemnot
In diesen Fällen sollten Sie sich zeitnah bei uns oder in einer Notaufnahme vorstellen, statt abzuwarten.
Häufig gestellte Fragen zur subakromialen Dekompression
Muss der Arm nach der Operation ruhiggestellt werden?
Nein, in der Regel nicht streng. Da bei dieser Operation keine Sehne genäht wird, entfällt die spezielle Einheilzeit einer Naht am Knochen. Der Arm darf meist schon am Operationstag im schmerzadaptierten Rahmen bewegt werden.
Werden bei dieser Operation Sehnen genäht?
Nein. Bei der reinen subakromialen Dekompression werden der entzündete Schleimbeutel entfernt und gegebenenfalls ein knöcherner Sporn geglättet sowie degenerativ verändertes Sehnengewebe geglättet (Debridement), die Sehnenfasern selbst werden nicht genäht. Findet sich intraoperativ ein tatsächlicher Sehnenriss, wird dieser gesondert als Rotatorenmanschettenruptur behandelt, meist mit einer Naht.
Wie lange dauert die Operation?
Meist etwa 30 bis 45 Minuten, abhängig davon, ob zusätzlich zur Bursektomie eine Akromioplastik oder ein Sehnendebridement notwendig ist.
Was passiert, wenn während der Operation ein Sehnenriss entdeckt wird?
Dann wird der Befund als Rotatorenmanschettenruptur eingestuft und, sofern intraoperativ möglich und sinnvoll, mit einer Sehnennaht versorgt statt mit einem reinen Debridement. Die Nachbehandlung richtet sich dann nach den Vorgaben einer Sehnennaht mit einem entsprechend längeren Ruhigstellungsprotokoll.
Wie lange bin ich krankgeschrieben?
Das hängt stark von Ihrer beruflichen Tätigkeit ab: Bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind oft schon nach ein bis zwei Wochen wieder Arbeitstage möglich, bei körperlicher oder Über-Kopf-Tätigkeit kann es vier bis sechs Wochen dauern.
Kann die Enge unter dem Schulterdach nach der Operation wiederkommen?
Der operativ geschaffene, erweiterte Raum bleibt in der Regel dauerhaft bestehen. Bleibt jedoch die zugrunde liegende muskulär-koordinative Ursache unbehandelt, können die Beschwerden im Verlauf erneut auftreten, weshalb ein fortgeführtes Stabilisationstraining sinnvoll ist.
Wie sicher ist der Erfolg der Operation?
Bei zutreffender Indikation, also einer überwiegend mechanischen Einengung beziehungsweise Sehnenreizung ohne relevanten Substanzdefekt, ist die Erfolgsaussicht gut. Wurde die Diagnose nicht korrekt eingeordnet, etwa bei einem übersehenen größeren Sehnenriss, kann die alleinige Dekompression die Beschwerden nicht ausreichend bessern. Eine Erfolgsgarantie gibt es bei keiner Operation.
Subakromiale Dekompression bei MedArtes
Ob eine subakromiale Dekompression für Sie infrage kommt, klären wir anhand Ihrer Beschwerden, der klinischen Untersuchung, des Ultraschall- beziehungsweise MRT-Befunds sowie der bereits durchgeführten konservativen und interventionellen Behandlungen. Wir legen besonderen Wert darauf, vor der Operation eine zuverlässige Abgrenzung zwischen einer reinen mechanischen Einengung, einer begleitenden Sehnenreizung und einem tatsächlichen Sehnenriss zu treffen, da dies die geeignete Operationsstrategie wesentlich beeinflusst. Gemeinsam mit Ihnen legen wir fest, ob und wann eine Operation medizinisch sinnvoll ist, und begleiten Sie durch Eingriff und Nachbehandlung.
Unser Spezialist für die Schulter
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